Ein trüber, bewölkter Himmel hatte uns gestern schon in die Nähe der Küsten von Europa eingeführt und ein echtes, europäisches Regenwetter bewillkommnete uns am Morgen des 29sten October daselbst. Es war der erste Regen wieder seit Ceylon, den wir beobachteten. Weil in der feinen Regenluft alle Signale an den Ufern unsichtbar waren, so hatten wir uns schon in der Nacht genöthigt gesehen, uns vor Anker zu legen und es war schon 7 Uhr vorbei, als wir unser Schiff wieder in Bewegung setzten.

Wir befanden uns um 8 Uhr dem Leuchtthurm auf Cap Salvore (Punta di Salvore) gegenüber, – es war ein flach convexes Land, olivenfarbig mit Bäumen, Dörfern und einzelnen Gebäuden besetzt, – darauf folgte eine tiefe Bucht, worin mehre große Schiffe lagen, – dann kam ein zweites Cap mit der Stadt Pirano, die am Fuße und Abhange des vorspringenden Gebirges lag, – der Anblick des Landes und der Wohnungen, die es bedeckten, wurde immer europäischer – dann kamen wir einer zweiten Bucht vorbei, in deren Hintergrunde die Stadt Capo d'Istria lag, – wir näherten uns also immer mehr dem nord-östlichen Ende des Meerbusens zwischen dem Flachlande von Venedig und der Halbinsel Istrien – und ließen um 9½ Uhr unsre Anker fallen auf der Rhede von Triest.

Da lag die prächtige Stadt. Ihre weißen Häuser und Paläste erhoben sich im Amphitheater, bis zur Citadelle hinauf, das eine über dem andern und erschienen dem olivengrünen Gebirge wie angeklebt. Noch hoch am Gehänge ragten stolze Kirchen und Klöster empor und kleine Villen zogen sich hinan bis dicht unter den Saum der lang hingestreckten Kette, die steil und schroff auf die Schiffe an ihrem Fuße herabsah. – Dieses stolze, doch freundliche Bild traf unser Auge!

Es war Sonntag – und das Erste, was unser Ohr vernahm, – seit 13 Jahren zum ersten Male wieder – war Glockengeläute! – ein so feierliches Getön aus allen Kirchen und Kapellen der Stadt, – ein so harmonischer Klang, der an sich schon mächtig, ahnungsvoll und zur Andacht stimmend, mich an die Jahre meiner Kindheit erinnerte, und mich mit einer Wonne, einer Wehmuth erfüllte, die ich nicht abzuwehren vermochte. – Glückliche Jahre des Glaubens, – des unbedingten Glaubens an die Heiligkeit, die sich mit diesem Geläute verband!

Es bannte mich denn auch jetzt noch durch seinen Zauber und hielt mich gefesselt an die Verschanzung des Schiffes, wo ich still-lauschend, mich noch länger den Eindrücken dieser Glockentöne würde überlassen haben, wenn die Welt nicht so voll von Contrasten wäre, und wenn nicht die Douanen mich aus meiner Träumerei geweckt hätten.

Diese kamen unsre Koffer zu untersuchen, die wir öffnen mußten. Sie waren jedoch sehr höflich und bescheiden und ließen selbst einige Kisten Cigaren (sonst scharf verbotene Waare in Österreich) passiren, da wir ihnen den Beweis lieferten, daß sie nur für den täglichen Gebrauch bestimmt seien. Auch die Gesundheitsbeamten, die gekommen waren, sich nach unserm Wohlbefinden zu erkundigen, fanden es gut, daß wir keine Pest aus Egypten, sondern nur Cigaren aus Manilla mitgebracht hatten, die sie schmackhaft fanden.

Ich stieg nun in einer christlichen Schaluppe an's Land gegen christliche Bezahlung und nahm meinen Einzug in ein großes drei- oder vierstöckiges Hotel, das gewiß erst seit kurzer Zeit den Namen Hotel National führte, den es, wenn ich nicht irre, jetzt (1851) nicht mehr führen wird.

Dreimal täglich, um 10, 3 und 9 Uhr geht von Triest ein kaiserlicher Postwagen ab, der die Reise nach Laibach in 12 Stunden zurücklegt. Der Preis für einen Passagier mit 40 Pfund Bagage ist 7 Fl. 52 Kr. und für jede 100 Pfund Bagage mehr 2 Fl. 40 Kr. (nämlich österreichische Gulden, deren 8 auf 10 holländische gehen). Von Laibach nach Salzburg geht nur jeden Dienstag und Sonnabend, um 1 Uhr des Mittags ein Postwagen ab. An der Eisenbahn, die, um den Karst zu vermeiden, von Triest einen weiten Umweg nach West machen muß (erst am Strande hin, dann über Monfalcone, Görz und Idria nach Laibach), wurde damals noch gearbeitet. Erst eine Tagereise weit, auf der andern (Nord-Ost-) Seite von Laibach, war sie vollendet und lief von Cilli bis Wien.

Ich ging den 31sten um 10 Uhr mit der Post von Triest weg. Das steile Berggehänge, an dessen süd-westlichem Fuße die Stadt liegt, zieht sich von Süd-Ost nach Nord-West der Küste entlang hin. Die Straße fängt gleich auf der Nordseite hinter der Stadt an emporzusteigen und windet sich bald in Schlangen-, bald in Zickzacklinien an diesem Berggehänge hinan, das bis hoch hinauf in Terrassen und Gärten umgeschaffen und mit Gartenhäusern geziert ist, die auf diesen Terrassen stehn. Es ist der seewärts gekehrte Abfall des Karstplateau's und trägt auf seinem untersten Gehänge und Fuße die Stadt.

Hier war Alles noch grün, die Matten waren mit Gras bedeckt, aber die Weinranken in den Gärten und auf den Terrassen, die Aprikosen- und andern Fruchtbäume, die dort standen, fingen doch schon an, sich zu entfärben, – denn der entblätternde Hauch des Herbstes nahte heran. Wir sahen eine Menge kleiner Steinbrüche zur Seite des Weges, in denen einige wenige Arbeiter beschäftigt waren. Man erkannte hier, daß das Gebirge vorherrschend aus einem seinen, hellgrauen Sandstein (höher oben aus Kalk) bestand, der in ½–3 Fuß dicken, gewöhnlich stark geneigten, geraden, zuweilen aber auch wellenförmig gebogenen Schichten vorkam.