Es gehen viele Leute über die See, aber in Hamburg und Bremen gibt es auch viele Rheder.

Es bleibt mithin das Verhältniß des Kapitains stets ein sehr eigenthümliches. Dazu kommt, daß die überwiegende Anzahl der Passagiere, so wie der Kapitaine und Seeleute überhaupt, ganz gewiß die verschiedensten Lebensansichten haben.

Die meisten der ersteren haben nie die See gesehen, von den wenigsten der letzteren kennt einer das eigentliche Leben auf dem festen Lande, mit Ausnahme der amphibienartigen See- und Hafenstädte. Meist unweit der Küste geboren und selbst Kind eines Seemanns, Lootsen und dergleichen, kommt der Knabe mit 13-14 Jahren an Bord als Kajütenjunge, wird später Matrose oder Leichtmatrose, macht, wenn befähigt, einige Monate in der väterlichen Hafenstadt die Studien der Steuermannskunst, wird hierauf Unter- später Obersteuermann und im günstigen Falle Kapitain, wenn er nämlich Glück und Geschick hat und nicht etwa zufällig – verloren geht. (Landratten-Sprache: bei einem Schiffbruche ertrinkt.)

Die Seeleute, die deutschen wenigstens und eben so die von andern Nationen, die ich kennen lernte, sind fast alle wackere, muthige und brave Männer, sie sind barmherzig gegen Mensch und Thier; sie sind bescheiden und ihrem Worte treu!

In näherer Berührung mit ihnen auf der Rückreise während längerer Zeit, bin ich öfters sogar auf den Gedanken gekommen, als sei der Mensch von Natur aus doch nicht so sehr filou (es macht sich Das französisch besser), als es gewöhnlich scheinen will.

Aber dieser Seemensch hat vom Landmenschen, speciell aber von der Species Passagier, einen verzweifelt schlechten Begriff.

Seiner Ansicht nach ist der Passagier ein Gegenstand, dessen Gegenwart an Bord den Zweck hat, die nicht vorhandene Fracht des Schiffes nach X oder Y zu decken, d. h. die Kosten des Rheders für die Fahrt, um von dort andere Waare, Tabak, Ochsenhäute, Pfeffer, Farbholz oder andere Sachen einzunehmen.

Der Passagier ist in den ersten Tagen ein jämmerliches Ding, welches seekrank ist, das Deck verunreinigt und allenthalben im Wege steht. Dann wird es neugierig, räsonnirt über Salzfleisch und Wasser und läßt vor Allem unaufhörlich merken, daß seine einzige Sehnsucht nach dem Lande steht.

Ob die Klagen, welche die Passagiere der Reform führten, gegründet waren oder nicht, will ich nicht entscheiden. Einige mögen wohl gerecht, andere unbillig gewesen sein. Aber wohl war an den meisten jener Beschwerden der Kapitain unschuldig. Sie betrafen vorzüglich die Kost und das Wasser. Erstere höchst einfach, und das Wasser übelriechend. Aber Alles dieses war die Schuld des Rheders, welcher das Schiff nicht zum Besten ausgerüstet hatte.

Die ständige Antwort des Kapitains auf alle, endlich täglich, ja stündlich wiederholte Klagen war, daß er nicht mehr geben könne als er habe, und daß es auf andern Schiffen auch so sei. Aber mehr und mehr fand sich eine gegenseitig gespannte, gereizte Stimmung ein, welche einen unheimlichen Eindruck hervorbrachte, ja bedenklich wurde.