Ehe ich aber für immer die Reform verlasse, will ich, wie es oben geschehen, Auszüge mittheilen aus meinen Notizen über die Temperatur, um einen Ueberblick zu geben über diese Verhältnisse bei Kap Horn.

Datum
1849

Temperatur
der Luft
des Mittags
12 Uhr
Temperatur
des Wassers
des Morgens
9 Uhr
Länge
westliche
Breite
südliche
Juli 6.+ 10.3+ 13.850° 18'39° 22'
" 11.+ 6.6+ 8.550° 20'44° 15'
" 16.+ 6.3+ 6.750° 54'44° 50'
" 17.+ 5.3+ 8.251° 34'43° 32'
" 18.+ 6.3+ 6.552° 28'
" 19.+ 9.5+ 11.544° 24'
" 20.+ 5.2+ 5.555° 9'46° 8'
" 21.+ 3.8+ 3.556° 0'46° 50'
" 22.+ 3.9+ 3.856° 0'47° 46'
" 23.+ 4.5+ 3.9
" 24.+ 5.0+ 5.4
" 25.+ 5.0+ 4.362° 36'49° 49'
" 26.+ 4.2+ 4.063° 30'
" 27.+ 3.5+ 4.063° 47'52° 38'
" 28.+ 2.1+ 4.054° 52'
" 29.+ 0.5+ 3.5
" 30.+ 2.0+ 3.564° 37'56° 6'
" 31.+ 2.5+ 4.056° 18'
Kap Horn in Sicht
Aug 1.+ 3.8+ 4.8
" 2.+ 5.0+ 5.0
" 3.+ 2.5+ 5.0
" 4.+ 5.5+ 5.5
" 5.+ 5.3+ 5.5
" 6.+ 5.3+ 5.977° 18'47° 23'
" 7.+ 6.3+ 7.077° 21'44° 50'
" 8.+ 8.0+ 8.276° 30'41° 26'
" 9.+ 8.2+ 9.075° 32'38° 54'
" 10.+ 9.2+ 10.073° 59'35° 46'
" 11.+ 10.5+ 10.5

Es fällt bei Durchsicht dieser kleinen Tabelle und bei etwaiger Vergleichung derselben mit der vorher gegebenen, die Tropen betreffend, sogleich in die Augen daß, während dort die Temperatur des Wassers stets eine etwas niedere war als jene der Luft hier in höheren Breitegraden, etwa von 40° südl. Breite an bis am Kap Horn und wieder auf dieselbe Höhe, das Wasser durchschnittlich, ja fast immer, eine höhere Temperatur als die Luft zeigte.

V.
Valparaiso (Chile).

Natürlich ist vor Allem die Frage: wie wird das Wort ausgesprochen? Man schreibt Valparaiso, aber spricht man auch Valparaiso? oder spricht man Valparaïso? oder vielleicht gar Valpareso? Die großartige Wichtigkeit dieser Frage hat mir erst eingeleuchtet, als ich, nach Deutschland zurückgekehrt, von fast allen meinen Freunden mit solchen Fragen bestürmt worden bin. Leider habe ich an Ort und Stelle mein deutsches Blut so weit verleugnet, keine Nachforschungen anzustellen, welches die richtige, von dortigen Gelehrten anerkannte Aussprache ist. Ich kann also nicht verbürgen, ob Valparaiso oder Valpareso recht oder fehlerhaft, aber ich kann sagen, daß die Chilenen beide Aussprachen gebrauchen, bald so, bald so sprechen, und daß mir an Ort und Stelle die ganze Sache höchst gleichgültig gewesen ist. Woher die Stadt den Namen bekommen, werde ich später berichten.

Nachdem, leider indessen höchst mangelhaft, dieser unzweifelhaft interessanteste Punkt abgehandelt, muß ich mit wenig Worten vorausschicken, wie und in welcher Form ich berichten werde, was ich in Chile gesehen. Ich werde einige der größten Städte, welche ich besuchte, beschreiben und das Leben und Treiben daselbst, die Sitten und Gebräuche schildern, so viel mir davon bekannt geworden. Dann werde ich deren Umgebung gedenken, weiterer Excursionen, und der Reisen durch das Land. Indem mir so Gelegenheit werden wird, der Thier- und Pflanzenwelt zu erwähnen, der Berge und Thäler, der Flüsse und Seen, so wie klimatischer Verhältnisse, mag es vielleicht gelingen eine Skizze zu geben von Chile, ohne durch tägliche Berichte den Leser zu ermüden.

In den ersten Tagen aber mag es mir vergönnt sein, mehr von mir selbst zu sprechen als es später geschehen soll.

Kaum an's Land gestiegen, wo sich die Passagiere nach allen Richtungen zerstreuten, eilte ich zu dem Kaufmanne, auf welchen ich Wechsel zu beziehen hatte, um solche zu präsentiren, wie man es, wenn ich nicht irre, nennt, und zugleich zu bitten, den Betrag noch zu verwahren, da ich in fremdem Lande mich nicht mit unnöthigem Gelde beschweren wollte. Alle Geldgeschäfte haben von jeher für mich etwas so unendlich Widerwärtiges gehabt, daß ich sie so rasch als möglich beendete, und eben dessen froh, das Store verlassen wollte, als ich mit Gerstäcker bekannt gemacht wurde, der bereits seit drei Wochen in Valparaiso, sich ebenfalls im Store eingefunden hatte, um Landsleute zu begrüßen und Neues aus Europa zu hören.

Gerstäcker war der erste Landsmann, ja der erste Mensch, der in der neuen Welt mir mit der liebenswürdigsten Freundlichkeit und Offenheit entgegengekommen ist, und mir sogleich am ersten Tage unserer Bekanntschaft die wesentlichsten Dienste erzeigte, indem er mit Aufopferung seiner eigenen Zeit mir eine Wohnung suchen half.

Ich hatte an einen deutschen Kaufmann, dessen Namen ich vergessen habe, einen Empfehlungsbrief von Haus mitgebracht, und wurde empfangen, wie ich bereits in Brasilien frostige Vorläufer erhalten. Ich erhielt den Rath, so bald als möglich in's Innere zu reisen, da in Valparaiso nichts für einen Naturforscher zu machen, und wurde zugleich wiederholt gefragt, was denn eigentlich mein Geschäft sei, auf das Naturforschen allein reise man ja doch nicht. Natürlich ließ ich mich nicht in weitläufige Erklärungen ein, wie ich denn doch nur allein in »diesem Artikel mache,« sondern bat, wie ich ausdrücklich sagte, als erste und letzte Freundlichkeit, mir auf eine halbe Stunde einen jungen Mann mitzugeben, welcher mir, der noch keines Wortes der spanischen Sprache mächtig, eine Privatwohnung möge suchen helfen, aber ich wurde abgewiesen; man sei zu sehr beschäftigt und Aehnliches, kaum aber Spuren entschuldigender Formen.