Obgleich Chile nach seinen gegenwärtigen Verhältnissen eher bestimmt ist, den Ackerbau und das Bergwesen zu cultiviren, als vorzugsweise ein Handel treibender Staat zu sein, ist der Handel doch einer der wichtigsten Gegenstände für das Land und das schon deswegen, weil sowohl wirkliche Luxusgegenstände, als auch zum Leben unentbehrliche Bedürfnisse von Außen eingeführt werden. Obgleich ich vielleicht im Stande wäre, ziemlich ausführliche Nachrichten in Betreff des dortigen Handels mitzutheilen, muß ich mich doch auf einen kurzen Raum beschränken, da der Zweck der gegenwärtigen Notizen nur der ist, eine allgemeine Uebersicht zu geben.

Die Artikel, welche ausgeführt werden, sind vorzugsweise: Silber, plata pinna und plata en barras, d. h. in kurzen runden Blättern und Barren, und gemünzt, Pesos, als Zahlung nach Europa; Gold, doch weniger. – Kupfer, ein Hauptartikel, in Erzen sowohl nach England und Hamburg, vorzugsweise aber cobre in ejes, d. h. schon einmal geschmolzenes, ferner in Barren und fast vollständig rein. Das chilenische Kupfer geht nach ganz Europa und nach den Vereinigten Staaten.

Wolle, Schafwolle; indessen scheint es als würden blos geringere Sorten ausgeführt, und man behielte die feinsten im Lande.

Ochsenhäute, die Felle der Chinchilla, letztere als ganz feines Pelzwerk häufig nach Europa.

An Produkten des Ackerbaues, jedoch fast einzig für die benachbarten Länder der Westküste, wird am häufigsten ausgeführt Waizen, dann Gerste und Bohnen. Mit Ausnahme dieser letzteren Gegenstände, welche meist durch chilenische Handelsschiffe verfahren werden, geschieht die Ausfuhr der anderen durch fremde Schiffe, welche sie in den chilenischen Häfen abholen.

Der Import aber ist ohne Zweifel in Chile der bedeutendste Handelszweig. Dies wird vollständig klar werden, sobald ich weiter unten die gewerbliche Thätigkeit Chiles erwähne.

Dieser Handel ist durchgängig in den Händen von Europäern. Deutschen, Engländern und Franzosen, und durch sie werden die Erzeugnisse ihrer Länder nach Chile gebracht. Handelshäuser in Europa haben dort, meist in den Häfen und vorzugsweise in Valparaiso, ihre Agenten, diesen werden die verlangten und gangbaren Waaren zugeschickt und von ihnen in größeren Parthieen an die Handelsleute verkauft, welche sogenannte offene Geschäfte, d. h. Läden haben. Nicht blos alle Eisen-, Stahl- und Messingwaaren, sondern auch Gläser, Papier, Linnen, Kattune, Seidenzeug und tausend Artikel, die unter dem Namen der kurzen Waaren begriffen sind, werden auf diese Weise eingeführt.

Kaum braucht bemerkt zu werden, von welcher Wichtigkeit für die europäische Industrie diese Verhältnisse sind, wenn man bedenkt, daß die stets wachsende Bevölkerung von Chile, ja fast der ganzen Westküste, diese Produkte unsers Fleißes von uns zu beziehen genöthigt ist, indem keine Fabrik in jenen Ländern existirt, und wohl nach dem gegenwärtigen Stande der Dinge auch Manufaktur- und Fabrikwesen so bald keine festen Wurzeln dort fassen dürfte.

Ohne unseren dortigen europäischen Landsleuten irgendwie zu nahe treten zu wollen, läßt sich doch von vorne herein denken, daß dieselben sicher der Errichtung und dem Aufblühen einer Fabrik mit allen Kräften entgegentreten werden, denn der Absatz europäischer Waare würde stocken, und mithin ebenfalls ihr Verdienst.

Auf der andern Seite glaube ich nicht, daß die Chilenen selbst gute Arbeiter für solche Geschäfte abgeben würden; sie haben wenig Sinn für sitzende Lebensart und überhaupt ist das Land, welches allenthalben noch Feld genug bietet zum Ackerbau, nicht bestimmt, seine Kinder in dem Baumwollstaube einer Spinnerei verkümmern oder in einer Farbfabrik chronisch vergiften zu sehen[26].