Einige, durchschnittlich berechnete, Einfuhr-Ansätze sind folgende:
| Baumwollenwaaren | 20-30 | Procent d. | Werthes, |
| Garn | 20 | " | " |
| Wollenwaaren | 20 | " | " |
| Seidenwaaren | 15 | " | " |
| Leinen | 20 | " | " |
| Metalle | 10 | " | " |
| Schiffsmaterialien | 2-20 | " | " |
| Wein | 20-100 | " | " |
| Bier | 100 | " | " |
| Spirituosen | 40-75 | " | " |
| Eisen u. andere Metallwaaren | 20 | " | " |
| Glas | 20 | " | " |
| Steingut, Porcellan | 20 | " | " |
| Lederwaare | 30-35 | " | " |
| Kurze Waare überhaupt | 20-35 | " | " |
| Mobilien | 30 | " | " |
| Papier | 20 | " | " |
Diesen Notizen füge ich bei, daß die Zollbeamten artig sind und Privatleuten, von welchen sie voraussetzen, daß dieselben keinen Handel treiben, durch die Finger sehen. So habe ich offen einen großen Theil meines Tabakes und meiner Cigarren vor das Mauthhaus in Valparaiso gebracht, aber man that, als bemerkte man denselben nicht, nachdem man erfahren, daß ich »medico i naturalista« sei.
Den Schiffkapitänen aber der Kauffahrteischiffe lauern sie ganz speciell auf, da dieselben fast alle schmuggeln. Ich selbst habe die chilenische Zollbehörde um nichts gebracht, als um den Zoll von 100 Flaschen englisches Bier, welche ich bei meiner Abreise von einem amerikanischen Schiffe[27] auf das unsrige schmuggelte.
Jene Geschichte hat mir 40-50 Peso erspart und viel Vergnügen, d. h. romantisches, verschafft, leider aber kann sie nicht ganz erzählt werden, eben so wenig wie eine andere analoge Schmuggel-Expedition, welcher ich später beiwohnte. Man muß oft das Interessanteste verschweigen, und kann als »naturalista« nicht berichten von jedem Schmetterling, den man gefangen, und von jeder Jagd (caza) die man unternommen.
Der Stand der Gewerbe in Chile geht zum Theil aus dem vorher über den Import Gesagten hervor. Man kann z. B. annehmen, daß der größte Theil der nach europäischem Schnitte verfertigten Kleider auch von Europa aus schon fertig eingeführt werden, obgleich es Schneider in Chile giebt, die ganz gut arbeiten und es ist mit analogen Dingen, Schuhen, Hüten u. s. w. derselbe Fall.
Geht man auf die einzelnen Gewerbe ein, so findet man, daß viele Gewerbe, welche bei uns in sehr verschiedene Fächer zerfallen, dort in ein einziges vereinigt sind. Selbst Ausländer, die dort ansässig sind, betreiben auf diese Art ihr Geschäft. So habe ich in Valparaiso die ziemlich bedeutende Werkstätte eines Franzosen gesehen, der Schmied, Schlosser, Waffenschmied und Büchsenmacher zu gleicher Zeit war, und welcher zwar gute, indessen ziemlich theuere Arbeit lieferte. Ich mußte demselben für einen ganz einfachen Mineralienhammer drei und für einen Ladestock mit Krätzer vier Peso bezahlen.
Viele Gewerbe sind sehr schlecht vertreten, z. B. das der Dreher; fast alles in diese Fächer Einschlagende wird importirt. Ein gleicher Fall ist mit Optikern und Mechanikern, und wohl größtentheils auch mit Uhrmachern. Leder- und Riemenzeug wird im Lande sehr solid gefertigt, doch zieht man, wenn es halbweg angeht, europäischen, oft wenig dauerhaft gefertigten Kram vor.
Ich glaube fast, daß unter den Gewerben, welche reine Luxusartikel fertigen, Gold- und Silberarbeiten am besten vertreten sind. Die Zierlichkeit und Dünnheit europäischer Schmuck-Gegenstände findet man nicht bei den dort gefertigten, obgleich viel eingeführte theuer genug verkauft werden; aber noch sind Anklänge vorhanden altspanischer Luxusliebe und des Reichthums und Ueberflusses an edlen Metallen, der bei Entdeckung der Westküste angetroffen wurde. Von den schweren Beschlägen an Sattel und Reitzeug habe ich schon oben gesprochen, aber auch andere Dinge werden schwer und reich gefertigt. Ich habe mir dort eine silberne Mechara, eine Lunte zum Anzünden der Cigarren für vier Peso gekauft, aber ich habe solche von Gold gesehen, welche zwölf Unzen kosteten. Aehnlich sind die im Lande gefertigten Ketten, Dosen und dergleichen.
Während meiner Anwesenheit in Santjago kam bei einem mir bekannten deutschen Goldarbeiter eine Sendung kalifornisches Gold im Werthe zu etwa 9000 bis 10,000 Peso an. Alles wollte Schmucksachen von diesem Golde besitzen, und der Vorrath war rasch aufgearbeitet. Ich wohnte öfters diesen Arbeiten bei und kann behaupten, daß aus einer Tabatière, wie sie dort gefertigt wurden, sicher sechs von jenen hätten gemacht werden können, wie sie bei uns im Gebrauche sind, und dabei fehlte eine gewisse, wenn auch eigenthümliche Eleganz jenen Arbeiten durchaus nicht.