Die Gewerbe, welche die zum Leben unentbehrlichen Dinge liefern, werden meist von eingebornen Chilenen betrieben, so z. B. sind Maurer und Zimmerleute meistens Landeskinder. Ich habe da die Bemerkung gemacht, daß gewisse Handthierungen vollständig den Unterschied der Nationen aufzuheben scheinen. Der chilenische Maurer z. B. ist das lebendige Ebenbild seines deutschen Collegen. Hier ist alle spanische Grandezza, alles Feuer des Südamerikaners verschwunden. Er ist Maurer mit Herz und Seele. Er nimmt aus einer großen Dose, die sich knarrend öffnet, seine Prise, und bedient sich mit Geräusch eines blauen Taschentuches. Er bedarf die dreifache Zeit, welche jeder andere Mensch bedarf, um von einer Stelle des Baues zur andern zu gehen und streicht den Mörtel so langsam und bedächtig auf, als wolle er dessen Erhärten abwarten. Mit dem ersten Schlage der Feierstunde aber läßt er die Kelle aus der Hand fallen und geht unerwartet raschen Schrittes von dannen.

Auch der chilenische Tüncher braucht, wie der deutsche, stets zwei Tage länger als er versprochen hat zur Arbeit, und beschmutzt nach Kräften alle benachbarten Gegenstände.

So umschlingt ein großes gemeinschaftliches Band alle Menschen als Brüder!

Andere Gewerbe befinden sich noch auf der Stufe möglichster Einfachheit. So z. B. die Weberei. Das Spinnrad und der eigentliche Webstuhl sind unbekannt. Man spinnt mit der Spindel, und wie früher unseren Frauen einzig die Weberei oblag, wird sie noch heute in Chile allein von denselben betrieben, und das zwar auf mühsame und beschwerliche Art. Die Kette wird an zwei Stäben von der Breite des zu verbindenden Tuches befestigt, und diese Stäbe werden Anfangs in der ganzen Länge der Fäden an der Kette angespannt und sechs Zoll hoch über dem Boden an Pflöcken befestigt. Auf einem langen dünnen Stabe ist der Einschlag aufgewunden und wird zwischen den Fäden der Kette durchgeschoben, und diese wird durch Schlingen mittelst eines durchgeschobenen schweren Holzes in die Höhe gehoben. Diese Arbeit ist sicher mühevoll und beschwerlich, und je nach der Feinheit des Gewebes können des Tags hindurch eine bis drei Ellen gefertigt werden. Aber dennoch weben die Frauen und Mädchen jene feinen Ponchas, von welchen ich schon gesprochen habe und welche theuer bezahlt werden.

Auch das Färben besorgen die Frauen, und die gewebten Wollenzeuge sind schön und dauerhaft gefärbt; ich weiß indessen nicht auf welche Weise und mit welchen Farben sie dieß bewerkstelligen, obgleich ich mich mehrfach bemühte, es zu erfahren.

Ich will noch kurz der Mühlen und Töpferei gedenken.

Die chilenische Mühle wie solche auf dem Lande allenthalben im Gebrauche, besteht aus einem niedern horizontal und festliegenden Steine. Durch diesen geht eine Welle und in dieser läuft der obere Stein. Unten sind horizontal eine Art keilförmige Speichen angebracht, die man am Ende löffelförmig ausgehöhlt hat. Ein Wasserstrahl gegen dieselben geleitet, treibt das Rad. Es giebt auch Mühlen, bei welchen der Mühlstein in einer hölzernen Rinne auf und ab bewegt wird, ganz auf ähnliche Weise wie bei uns an manchen Orten Aepfelwein bereitet wird.

Ausländer aber haben großartige Mühlen eingerichtet nach neuem amerikanischem System und deren befindet sich eine in Conception und eine andere in Santjago, welche letztere einem Amerikaner gehörte. Dicht an neben diesem Etablissement, welches außer der eigentlichen Mühle noch aus verschiedenen großen Höfen, Speichern u. s. w. besteht, befindet sich eine jener kleinen ärmlich construirten, bei welcher der Mühlstein in einer Rinne läuft, eine Maus neben einem Elephanten. Ihr Besitzer verlachte den Amerikaner als er seinen Bau begann und wartet noch jetzt auf seinen Ruin, aber der Amerikaner macht die besten Geschäfte. Der Windmühlen bei Valparaiso habe ich bereits gedacht. Ihr Eigenthümer ist ein Engländer.

Der Töpferei erwähne ich vorzugsweise wegen der eigenthümlichen Form der dort gefertigten Arbeiten. Es bedienen sich Wohlhabende meist aus Europa eingeführter eiserner Töpfe und nur ärmere Leute, und nur solche, welche weiter im Innern wohnen und das eiserne Geschirr schwer erhalten können, haben irdenes. Die Form dieses irdenen Geschirres ist merkwürdiger Weise ganz dasselbe wie sie noch heut zu Tage in allen germanischen Gräbern gefunden wird, welche man von Zeit zu Zeit in Deutschland öffnet. Ich habe früher in Franken mehrfach solche Ausgrabungen geleitet, und dabei Mittel eingeschlagen die Gefäße ganz aus der Erde zu bekommen; ich habe aber dort nicht eine Form ausgegraben, welche nicht in Chile noch täglich gefertigt wird, und im Gebrauch ist. Eine zufällige Aehnlichkeit ist nicht möglich, denn die Uebereinstimmung ist allen Einzelnheiten der verschiedenen Gefäße ist zu groß. Es findet also irgendwie ein Zusammenhang statt. Aber welcher? Ich habe später in der Algodon-Bai Gräber der alten Titicacaner geöffnet und Reste von Töpfergeschirr gefunden, welche allerdings Aehnlichkeit mit dem in Rede stehenden hatten, aber aus jenen Fragmenten war eine Gleichheit kaum mehr zu entwickeln. Die Titicacaner-Race aber ist bereits 1000 bis 1500 Jahre von der Erde verschwunden. In den Gräbern der ihnen folgenden Inca-Race finden sich Gefäße von ganz anderer Form, hingegen bedienen sich die Ureinwohner, welche von Panama an bis nach Kalifornien gefunden werden, ganz derselben Geschirre, wie man sie in Chile findet, und fast an der ganzen übrigen Westküste sind sie in Gebrauch. Ist die Form dieses Töpfergeschirres von den Spaniern nach Südamerika gebracht worden, oder haben dieselben jene von den Eingeborenen angenommen? Weder an Ort und Stelle habe ich etwas Näheres hierüber ermitteln, und hier in Deutschland eben so wenig erfahren können, welches Kochgeschirr man gegenwärtig noch in Spanien gebraucht, so einfach dieß auch erscheint. Die wichtigen Fragen, welche in ethnographischer Beziehung sich hieran knüpfen lassen, brauche ich wohl nicht anzuführen. –

Fast ähnlich wie es mit dem Mühlenwesen in Chile geht, verhält es sich auch mit dem Ackerbaue. In größeren Hacienden wird, ähnlich wie in jener amerikanischen Mühle, mit verbesserten Hülfsmitteln und vergrößertem Vortheile gearbeitet, auf kleineren Gütern aber ist die Art und Weise des Ackerbaues noch auf niederer Stufe. So hat man gegen den Süden zu kaum eisernes Geräthe, außer eine Axt, eine Sichel mit gekerbter Schneide, also ganz antike Form, und ein starkes Messer. Der Pflug ist ein gekrümmtes Holz mit einer ebenfalls hölzernen Pflugschaar und die Egge ein Bündel irgend einer dornigen Staude. Die Schaufeln bestehen aus dem Schulterblatte eines Ochsen oder Pferdes. Gewöhnliche Transporte oder Lasten, die für Maulthiere zu schwer sind, werden auf Ochsenhäuten fortgeschleift, zweirädrige Karren sind fast schon ein Luxus und bei diesen bestehen die Räder einfach aus dem Querschnitte eines starken Stammes. Aber auch weiter gegen den Norden und auf größeren Besitzungen sind noch sehr einfache Methoden im Gebrauch, so z. B. das Dreschen vermittelt Pferden. Es war dieß eine der ersten Eigenheiten des Landes, welche ich, als ich mich Santjago näherte, bemerken konnte und welche mir noch vollkommen neu war. Man hatte einen großen Fleck des Landes geebnet, eingezäunt, dort das Getreide aufgeschüttet und jagte nun etwa mit 100 Stuten im tollsten Rennen auf demselben umher. Die ausgefallenen Körner werden gegen den Wind geworfen und so von der Spreu gereinigt. Wie viel Getreide auf solche Weise verloren geht, kann man sich denken.