Sie reichte ihm die Hand. „Verzeihen Sie mir.“

„Verzeihen Sie — daß ich wage, diese kleine Hand zu umfassen.“

„Sie wehrt sich nicht, die Hand.“

„Doch,“ sagte er mit einem kindlichen Lächeln, das rührend war auf dem zuweilen greisenhaft Wissenden seines Antlitzes. „Doch, sie hat sich eben gerührt.“ Und er küßte die zuckende Hand.

„Francois,“ sagte er später zu dem Diener, „lassen Sie niemanden vor. Weder heute noch morgen früh. Auch den Arzt nicht, Francois, hörst du, auch den Arzt nicht —!“

Als Zora mit Manuel kam, die Kleine zu holen, ließ Helene das Kettchen unter das Kleidchen der Kleinen gleiten. Als es abends im Eisenbahnzug entkleidet wurde, sah es Givo. Er erkannte es. Wie kam dies Zeichen an der Kleinen Hals? Ein Wunder rührte ihn an. Zora fragte die Nurse, ob Frau Tallandre das kostbare Kettlein geschenkt hätte. Es mußte wohl so sein, sie hatte es an Noemis Hals gesehen, als sie von ihrem Ausgang zurückgekommen sei. Aber Noemi, als fürchtete sie, man könne es ihm nehmen, hielt die kleinen Perlen fest zwischen ihren mageren Fingerchen und lag so die ganze Nacht, neben sich die Puppe und in sich noch das Bild der Fremden, in das sie geblickt hatte wie in einen Spiegel. Givo war wach, er sah auf das Kind, als könnte es im Schlaf die Lippen auftun und das Geheimnis lösen. Aber schließlich sagte er sich, daß Arabella wohl Helene das Kettlein geschenkt und diese es dem Kind angelegt haben mochte. Warum war er der Versuchung widerstanden, Helene nach der Geliebten zu fragen! Zu lange litt er schon. Er sehnte sich nach lösender Wiederkehr. Wenn er nun die kleine Noemi im Arme hielt und sie ihr Hälslein an ihn schmiegte, fühlte er, ach wie so oft in fernen glücklichen Nächten, das kindische Kettlein kühl seine Lippen streifen und es mahnte ihn und rief. Da beschwor er Arabellas Nähe heißer und heißer von Tag zu Tag.

In Wien

Arabella kehrte nach fünftägiger Abwesenheit zu Karinski zurück, den sie in einem deutschen Badeort verlassen hatte. Sie war müde und gedankenvoll, aber die schützende Nähe des Grafen beruhigte sie.

„Wie gern wäre ich mit dir gefahren, Bella,“ sagte er. „Aber ich wollte, daß du dich ganz frei fühltest, falls du Entschließungen treffen wolltest. Und dann, meine Zeit ist bald abgelaufen. Ich muß mit Olga zurück, muß die Güter in Ordnung bringen, die Mädchen verheiraten und dich von einem alten Mann befreien, damit dir noch ein Lebensglück zuteil wird.“