„Ich kann es nicht sehen,“ sagte Vögelchen, die immer bleicher wurde.

„Und müßt doch bluten, ihr Frauen.“

„Red’ nicht so hoch daher,“ rief sie unwillig und wand ihr Tuch um die Hand. „Ich hasse euer ewiges Gescheitsein.“

„Ich möchte dir alles geben, was ich habe, Ariel, alles Gescheitsein auch.“

„Ich mag nichts von dir,“ sagte sie. Er sah sie an wie ein getretener Hund, dann beugte er sich über sie und flüsterte angstvoll: „Aber ich lasse dich nicht.“ Vögelchen sah zu ihm auf; wie sein Antlitz über ihr schwebte, war ihr, als ob das Grauen sich in einer Wolke über ihr ballte. Ein Druck legte sich wie eine eisern würgende Faust auf ihren Hals, ein blauer Strom ging an beiden Schläfen zu ihrem Herzen hinab. Sie wurde ohnmächtig.

Camill, der Kammerdiener, kam, vom Ruf des Studenten angetrieben. Er rieb ihr die Stirne mit Essig. Man trug sie auf ihr Zimmer. Dort schlug sie die Augen auf. „Er hat mich gebissen,“ sagte sie und deutete erzürnt auf Kruger, der bestürzt da stand. Der Kammerdiener machte ihm hinter Vögelchens Lager ein Zeichen. Er tippte mit dem Finger an seine Stirn, andeutend, daß er an der Vernunft seines Fräuleins zweifle.

Vögelchen streifte tags darauf wieder allein im Wald umher und war einsam bei den Mahlzeiten. Kruger begrüßte sie mit tiefen Verbeugungen. Er saß in einem Gartenhaus hinter Büchern bei einer Schreibarbeit. Manchmal stand er auf und fuhr wild gestikulierend mit den Armen in die Luft. Vögelchen war sehr neugierig, was er da treibe. Sie ging einige Mal um das Häuschen herum, setzte sich dann in Hör- und Sehweite, mit dem Schnitzen einer Gerte beschäftigt.

„Ja, da brauchte man ein Papier,“ sagte sie, scheinbar zu sich selbst sprechend. Ein kleiner Junge lief vorüber und sah das kleine Fräulein an. „Ich mache eine Fahne,“ sagte sie, „für mein Schiff. Aber dies ist erst der Mast. Ich brauche ein Papier. Und dann schreib’ ich darauf ‚Fünkchen, flieg‘. So heißt mein Schiff. Hast du verstanden, Peter? Oder heißt du vielleicht Seppel?“ Der Junge nickte. „Nun, kannst du nicht reden? Aber nicken kannst du doch? Andere können nicht einmal nicken, und wenn du ein Student wärst, hättest du auch ein Papier.“ Seppel murmelte etwas, das seine Zahnlosigkeit unverständlich machte, und verschwand auf das schrille Pfeifen eines Genossen.

Jetzt erschien Kruger vor dem Gartentor und hielt einen Bogen in der Hand.

„Ach, Sie sind hier?“ sagte Vögelchen.