„Sie suchen mich ja schon eine gute Weile.“

„Einbildung,“ sagte sie.

„Das ist keine Schande unter guten Freunden.“

„Freunden? Ich kenne Sie doch kaum. Vor acht Tagen wußte ich noch nichts von Ihnen.“

„Oh, das tut nichts zur Sache. Liebe auf den ersten Blick.“

„Ich, Sie lieben!“ Sie lachte.

„Lieben Sie den Vogel dort, der über dem Baum schwirrt? Vor einer Sekunde noch war er nicht in Ihrem Leben und vielleicht werden Sie ihn nie wiedersehen. Lieben Sie dieses Marienkäferchen, das morgen tot sein wird, den Fisch, der dort aufblitzt im See, den Seppel, der eben fortlief?“

Sie dachte nach. „Ja,“ sagte sie. „Aber Sie? Nein.“

„Auch mich, aber das ist nichts.“ Er machte eine Handbewegung, als schöbe er etwas weit weg, und immerzu noch lächelte er unter dem Glück, daß sie wieder zu ihm gekommen. „Auch mich, aber Ihre Liebe gehört allen und niemandem. Sie bleiben nirgends. Ihr Herz hat Flügel. Es saugt sich dort an und da an und es wird süß werden wie Honig. Dies ist der Sinn Ihres Lebens, Honig des Herzens zu geben und den Gesang Ihrer Seele. Sie werden nicht Landschaften malen, nicht auf den Brettern agieren und nicht studieren, es sei denn, Sie täten es einem Menschen zulieb. Sie werden nicht sticken und Bücher lesen, und ich glaube, daß Sie niemals ein Kind haben werden.“

Vögelchen hatte still zugehört. Jetzt kam Bewegung in sie. „Ich will Kinder haben, sehr bald will ich kleine Kinder haben. Nächstes Jahr vielleicht schon,“ sagte sie.