„Sie wohnen allein und schicken mich fort, wann es nur angeht. Das Fräulein ist ganz verändert und läßt sich vor ihm nicht blicken. Dann wieder sind die Kissen noch am Nachmittag in Unordnung. Ich schreibe Ihnen das, weil ich Ihnen es versprochen habe und wir Freunde sind. Wenn Sie es weiterreden, verlier ich den Posten, also denken Sie an die Freundschaft, die wir uns zugetrunken haben.“ Es folgten noch einige zweideutige Ausführungen über den Geschlechtsverkehr ungleichaltriger Menschen, die an ein Gespräch anzuknüpfen schienen, das der Schreiber mit Konrad geführt hatte. Offenbar lag für Camill hier die Basis der seltsamen Freundschaft mit dem Studenten. Frau Gunter las nur die ersten Zeilen dieser Bemerkungen, dann legte sie errötend die Hände vor ihr Gesicht.
„Es ist so gut wie sicher,“ sagte sie, ohne ihr Antlitz zu enthüllen, mit erstorbener Stimme. „Aber Beweise sind das nicht und rechtlich kann ich nichts erwirken. Es ist ungeheuerlich!“
„Ich will Ihnen Beweise schaffen. Ich werde es bezeugen können. Es wird mir nicht an Mut und Schlauheit fehlen, glauben Sie mir.“
„Und was dann?“ sagte Frau Gunter, deren Körper wie im Frost erschauerte. „Mein Mann wird einen Prozeß zu verhindern wissen und niemals werde ich ihm das arme Kind entreißen können. Es ist mir fremd geworden. Es kennt mich nicht mehr.“
„Sie irren, man muß Ihre Tochter erwecken mit geistlicher Kraft und ihn mit Drohungen erschrecken. Geben Sie mir die Befugnis, in Ihrem Namen den Verführer zu entlarven. Ich will alles aufgeben, Beruf und Elternhaus. Ich habe nur einen Gedanken, das himmlische Wesen in Sicherheit zu bringen. Um des Seelenheiles willen ...“
„Und wenn nur ein Wahn Sie treibt, wenn nichts geschehen oder nur ein unschuldiges Spiel, nur Zärtlichkeit —“ Sie sah fern ein Bild. Eine Frau am Traualtar, die nach bangen Jahren wieder Geborgenheit fühlt. Es war so schwer, das Böse zu denken.
„Wenn Sie zweifeln, wenn Ihr Gewissen Sie nicht antreibt, dem Retter, der durch scheinbare Zufälligkeiten zu Ihnen gelangt ist, zu vertrauen — — Meine Nachforschungen können ja nur nützlich sein.“
„Warten Sie einige Tage, ich will mich beraten. Nein, nicht meinen Mann will ich fragen, für den ist die Sache erledigt —“
„Jede Mitwisserschaft kann unseren Plan vereiteln. Wir haben keine Zeit zu verlieren.“
„Und was verlangen Sie?“ fragte die gequälte Frau.