„Nun will ich Sie aber nicht länger stören. Ich lasse den Wagen zurück und werde auftragen, daß man Arabella sage, ich sei bereits nach Hause gefahren.“
„Ach, das sollten Sie nicht. Die Kleine würde sich dann nicht von mir verabschieden können und sich unbehaglich fühlen. Warum soll ich es diesem Einfall nicht danken länger mit Ihnen plaudern zu können? Herr von Twede arbeitet immer des Abends. Meine intimsten Freunde kommen meist nach den Teegästen. Givo zum Beispiel, der niemals in große Gesellschaften geht.“
„Ich bleibe,“ sagte Mannsthal mit seinem zuweilen kindlich strahlenden Lächeln.
„Diese Kleine,“ begann Angele, indem sie sich in dem kleinen Salon bequem zurecht rückte. „Diese Kleine muß Sie entzücken und ich verstehe, daß Sie sich selbst der Autorität entschlugen, Sie nannten sie Vögelchen. In der Tat erinnert sie mich an diese ursprünglich wilden Tauben, denen die Mongolen Bambusflötchen unter die Flügel binden. Ihr Flug ist Musik geworden, aber er kann sie nicht mehr zur Höhe tragen.“
„Sie meinen, daß ich um dieser Musik willen ihren Flug gedrosselt habe?“
„Ja, und ich glaube, daß sie eines Tages die Flötchen abschütteln wird, um zur Sonne aufzusteigen.“
„Das fürchte ich,“ sagte Adalbert leise. Seit Wochen beängstigt sprach er nun wie eine Selbstbeichte diese Worte und sie erleichterten ihn. — „Wie klug Sie sind, Angele Tirotzky,“ und wie immer, wenn er bewunderte, war sein bewegter vieldeutiger Blick kindlich demütig.
„Wenn es wirklich die Sonne ist, brauchen Sie nichts zu fürchten. Nur jene Pseudosonne kann gefährlich sein, die uns Frauen so oft verlockend leuchtet. Lassen Sie Ihr Vögelchen fliegen. Oder sollten Väter egoistischer sein als es Mütter wären?“
Es trieb ihn an, sich dieser Frau gegenüber zu offenbaren.
„Ich bin nicht nur ihr Vater,“ sagte er und senkte den Blick wie ein Knabe. Er hatte, ach wie oft sich nach Verachtung gesehnt und überall nur Achtung erfahren. Langsam hob er das Antlitz zu der auf, die er nun zu seiner Richterin machen wollte.