„Was wahr wäre?“

„Daß ich nun eine Verlassene bin.“

„Nein, sieh, das dachte ich nicht, daß du dich als eine Verlassene fühlen könntest, weil es hier Kinder gibt, die einmal verlassen waren. Du aber bist es nicht.“

„Doch, ich glaube, Va hat mich verlassen. Er ist ja nicht mein Vater, er nimmt eine andere Frau und ich habe keine Wohnung mehr bei ihm.“

Sollte er sie vertrösten? Würde denn Mannsthal nicht mehr nach ihr verlangen? Er wußte es nicht. Er konnte nichts versprechen. „Und ich, Vögelchen?“ sagte er.

„Du?“ rief sie in tiefem Gefühl. „Wie darf ich denn das, wie darf ich mich zu dir zählen? Wie darf ich denn dir gehören?“

Givo wußte, in diesem Augenblick schmiedete sich Arabellas Schicksal. Nahm er sie in sein Leben auf, so blieb sie heil an Körper und Seele, aber am Ende ihrer Gemeinschaft stand ein Schmerz, der war so groß wie ihr Glück, und er wußte nicht, ob sie es bestünde. Schob er sie aber leise begütigend in die Ungewißheit einer zerspalteten Zukunft, würde sie dann ihre erwachende Seele behaupten gegen Verführung und Anfechtung? Würde Cecile, so groß und rein ihr bildender Wille war, die leidenschaftliche Naturgewalt, die in diesem kindhaften Weibe lebte, meistern können, bis sie selbst sie zu besiegen Kraft fand oder um so wilder sie entfesselte? Nein. Cecile selbst hatte es ihm gesagt: Verschone das Kind. Nur im Glück wird seine Seele reifen.

„Fühlst du denn nicht, daß ich dich lieb habe?“ sagte er. „Du, die den Flug der Wolken, den Ruf der Vögel, die Stimme der Ewigkeiten begreift? Und wehrte ich mich dich zu lieben, ich betröge mich. Ich muß dich halten, Kind. Es muß wohl so sein. Und nun will ich es auch so. Ich komme wieder, bald komme ich wieder. Ich komme immer wieder zu dir.“

Sie hielt seine Hand, sie drückte sie, unfähig zu erwidern.

„Aber nun geh, Kind, du frierst, geh, bitte. Du sollst nicht hier sein zur Nacht.“