„Frau Mannsthal empfängt jetzt nicht gern. Sie wissen wohl: sie erwartet ein Kind. Sie würde zwar Ihnen gegenüber gern eine Ausnahme machen. Wollen Sie heute kommen?“
„Ich will nicht lästig fallen. Verzeihen Sie überdies, ich wußte nicht, daß Angele sich wieder verheiratet hat. Ihre Stieftochter war auch nicht verständigt?!“
„Ich hatte Arabella erst vorbereitet. Über unsere Verheiratung unterblieb aus Rücksicht für den Legationsrat jede öffentliche Mitteilung. Angele wollte Ihnen indes selbst Mitteilung machen.“
„Es wird mich sehr glücklich machen von ihr Nachricht zu erhalten. Sie wissen, ich schätze sie über die Maßen. Wie froh bin ich, daß sie ein Kind haben wird. Es empfiehlt sich wohl doch nicht, daß ich sie besuche. Es wird besser sein, wenn Arabella nicht einer Peinlichkeit ausgesetzt ist, und ich möchte gerade vor Angele nicht mein Hiersein bemänteln. Ich bin gewiß, daß Arabella nur Freundliches für Angele empfindet und diese für sie, aber lassen wir erst Gras über diese aufgewühlte Erde wachsen.“
„Sie haben wahrscheinlich recht und ich sehe, daß ich keinem gewissenhafteren Freund Vögelchen anvertrauen könnte.“
„Noch eines möchte ich zur Sprache bringen,“ unterbrach Givo. „Sie wissen, daß Arabella sich zufolge eines Briefes jenes Studenten, den ich schon beruhigt glaubte, um ihre Mutter abquält. Halten Sie eine Vereinigung der beiden Frauen für möglich?“
„Vögelchen hat keine Mutter,“ sagte Mannsthal kühl.
Givo runzelte die Stirn.
„Diese Dame hat Arabella gegen eine sehr hohe Summe an mich abgetreten, auch ihr Mann wurde von mir bezahlt. Nennen Sie mich einen Verbrecher, weil ich sie kaufte und so Mutter und Kind getrennt habe, aber fragen Sie sich selbst, ob eine Mutter, die diesen Namen verdient, sich ein Kind abkaufen ließe! Sie hat ihre Mutterschaft veräußert. Unser Vertrag war vor Gericht nichtig. Sie hat es aber nie zu einem Prozeß kommen lassen, weil sie sich zu unsicher fühlte.“
„Bien, aber sie hat es bereut, sie wünschte das Kind zurückzugewinnen. Sie haben es verweigert, weil Sie selbst es nicht lassen wollten. Jetzt aber?“ Givo war blaß, er neigte sich vor, die Antwort rasch aufzufangen. Er selbst wünschte nicht Vögelchen an die ihr fremde Mutter zu verlieren.