„Ich habe von meinem Bekannten die Zusicherung bekommen, daß er sich sogleich aufmacht, in der Wohnung, die Ihr Bruder zuletzt bewohnt hat, nachzufragen. Das wollte ich Ihnen vorläufig melden.“
„Danke, danke! Wenn nur nichts passiert ist.“
„Wo ist der Junge?“ fragte Urbacher, der sich fast fürchtete, mit ihr allein zu bleiben. „Nun will ich aber gehen. Ich komme wieder, wenn ich Nachricht habe. Dann sprechen wir auch von dem Bild. Schreiben Sie aber gleich darunter ‚Angekauft‘. Oder läßt sich’s gleich machen? Dreihundert Gulden biet’ ich dafür.“
„200 ist schon zu gut bezahlt, Herr Doktor, und gar für die Umgebung, in die es kommt. Da sollte man mit der Ehre vorlieb nehmen.“ Nun setzte er sich auf ihr Drängen wieder hin.
„Sie sollten sich nicht aufregen, Frau Meisterin; sehen Sie, das Äderchen, das Ihnen da angeschwollen ist.“ Er nannte einen lateinischen Namen. „Schonen sollen Sie sich. Sie haben gewiß schon viel mitgemacht!“
„Das erraten Sie?“
„Ja, wenn mir das nicht geblieben wäre von meiner Nervendoktorei!“ sagte er.
„Warum haben Sie es aufgegeben, das Doktern?“
„Es hat mich aufgegeben. Ich war zu neugierig, wissen Sie. Ich bin jedem Fall nachgegangen bis in seine tiefsten Ursprünge und darüber bin ich ins Philosophieren geraten.“ Er wunderte sich, daß er ihr so schlicht erklären konnte, was einst so viel Verwirrungen in ihm angerichtet hatte.