»Nun,« lächelte die Frau, freundlicher als bisher, »wenn Sie denn so für unsern vorjährigen Aepfelwein schwärmen, dann kann ich Ihnen die Erinnerung daran vielleicht wieder auffrischen. Gästen sollte man doch eigentlich etwas vorsetzen, und das ist gerade das Einzige, was ich im Hause habe. Entschuldigen Sie mich einen Augenblick.«

Damit war sie aufgestanden und verließ das Zimmer, während ihr der Major kopfschüttelnd nachsah. »Mein lieber Rath,« sagte er, als sie hinaus war, aber mit etwas unterdrückter Stimme, »ich fürchte, ich fürchte, ich habe heute meine letzte Hoffnung zu Grabe getragen. Aus der Frau bekommen wir auf die Weise heilig nichts heraus.«

»Lieber, bester Freund,« rief Frühbach, der nur einen Augenblick gewartet hatte, bis sie von der Thür weg sein konnte, indem er den Arm des Majors ergriff und heftig drückte, »kriegen wir nichts heraus, meinen Sie? Wir haben sie!«

»Haben – wen?«

»Die Frau! Ist Ihnen denn entgangen, wie sie zusammenfuhr, als wir den Namen der Heßberger nannten? Sie erschrak sichtlich – und jetzt klopfen wir nicht mehr auf den Busch, jetzt schlagen wir drauf!«

»Begehen Sie um Gottes willen keine Unvorsichtigkeit! Ich möchte hier nicht in Unannehmlichkeiten gerathen, die, wenn sie nachher bekannt würden, ohne daß wir etwas erreicht hätten...«

»Sehen Sie das Bild dort?« fragte der Rath, mit dem Arm auf ein nicht ganz schlechtes Oelgemälde deutend, das gegenüber an der Wand hing und ein junges, sehr hübsches Mädchen darstellte. »Wollen Sie noch einen Beweis?« fuhr der Rath ganz in Eifer fort. »Ist das nicht ein entschieden vornehm adeliges Gesicht, und hat es auch nur die Spur von der Frau Müller? Nein – aber dem Baron von Wendelsheim sieht es ähnlich, wie aus den Augen geschnitten!«

»Aber das Bild ist vielleicht aus der Wendelsheim'schen Familie,« sagte der Major, es jetzt ebenfalls aufmerksam betrachtend. »Aehnlichkeit liegt allerdings darin, aber wir wissen ja gar nicht, ob sie das Bild nicht einmal von der seligen Frau geschenkt bekommen oder auf irgend einer Auction erstanden hat.«

»Das wollen wir bald herausbekommen,« sagte Frühbach entschlossen; »jetzt aber lassen Sie mich nur machen. Ich habe Ihnen meine Hülfe zugesagt, und Sie sollen sich mir nicht umsonst anvertraut haben. Die Frau hat kein gutes Gewissen, darauf möchte ich meine Schnupftabaksdose verwetten, und daß sie jetzt den Aepfelwein holt, geschieht nur, um uns mit guter Manier los zu werden. Aber ich will nicht Frühbach heißen, wenn ich sie nicht fasse, und zwar, ehe sie eine Ahnung davon hat, ganz unvorbereitet, und Sie sollen erleben, wie sie bleich wird und zu Kreuze kriecht!«

»Aber wir können ihr ein Verbrechen, für das wir noch gar keine directen Beweise haben, doch nicht auf den Kopf zusagen.«