Die Frau Müller hatte ihn staunend angesehen, denn sie schien entweder gar nicht zu begreifen, worauf hinaus der Rath arbeitete, oder wollte es nicht; der Major, welcher sie mißtrauisch von der Seite beobachtete, wurde wenigstens nicht klug daraus. Frühbach aber, die linke Hand, in der er die Dose hielt, auf den Rücken legend, mit der Rechten, zwischen deren Fingern er noch eine Prise hielt, gesticulirend, fuhr, immer über die Brille weg, fort:

»Daß Sie vollkommen gut verstehen, worauf ich hindeute, verehrte Frau, davon bin ich überzeugt. Die Welt hat sich eben nicht täuschen lassen, denn zu Viele wußten um das Geheimniß. Bis jetzt aber, wo es eben nicht darauf ankam, ließ man die Sache gehen; nun jedoch, da der Termin der Erbschaft abgelaufen ist, wird es unmöglich, die damalige Täuschung länger durchzuführen. Seien Sie also vernünftig, und gestehen Sie, was Sie wissen – Sie sind unter Freunden...«

»Ich soll gestehen?« sagte die Frau, die sich von ihrem Erstaunen noch immer nicht erholen konnte, denn Frühbach brachte das Alles mit solcher Salbung an. »Aber was denn um Gottes willen?«

»Gut,« rief jetzt der Rath, wie erbittert über so viel Störrigkeit, »wessen Bild ist das, was da an jener Wand hängt? Das dort mein' ich!«

»Das dort? das Bild meiner Tochter – und was haben Sie denn?«

»Nein,« rief der Rath mit erhobener Stimme, »das ist nicht wahr! Wissen Sie, wessen Bild das ist? Wissen Sie, was die Frau Heßberger in der Stadt schon gestanden und gebeichtet hat?«

Die Frau war todtenbleich geworden und trat einen Schritt zurück, und der Major selber erschrak über die plötzliche Veränderung in ihren Zügen – die Augen starrten den Redenden stier und entsetzt an, der Mund war halb geöffnet, die eine Hand vorgestreckt. Rath Frühbach aber, dem das ebenfalls nicht entging, fuhr, seinen Sieg verfolgend, triumphirend fort:

»Das ist das Bild der Tochter des Barons von Wendelsheim, dem Sie dafür den Sohn untergeschoben haben, und wenn Sie jetzt, wo Sie noch unter Freunden sind, Alles gestehen, so kann ich Ihnen die Versicherung...«

Weiter kam er nicht. Alles Blut, das zuerst das Antlitz der Frau verlassen hatte, schoß dahin zurück, daß es jetzt eine fast kupferrothe Färbung annahm, und die Arme in die Seite stemmend, rief sie mit vor Wuth fast erstickter Stimme:

»Sie – Sie alter grauhaariger Esel, Sie wollen ein Rath sein?!«