»Hm,« sagte der Rath, der seinen Stock unter den Arm genommen hatte und an dem seidenen Taschentuche eine reine Stelle suchte, an der er seine Brille hätte abwischen können (er fand aber keine und rieb sie dann auf dem Aermel), »sie wäre es allerdings im Stande, aber sie wird sich hüten, Major; denn die Sache ist doch nicht ganz rein, sie hat einen faulen Fleck. Bemerkten Sie, wie blaß sie wurde, als ich sie nach dem Bilde fragte?«

»Ja gewiß, und ich dachte im ersten Augenblick ebenfalls, wir hätten sie; aber ich glaube jetzt, es war vor Wuth.«

»Mein lieber Major, lehren Sie mich die Menschen kennen, das war mehr als Wuth, das war ein schlechtes Gewissen, und der nachher ausbrechende Grimm nur ein Mantel, um es zu verdecken. Wir hätten uns nicht davon sollen einschüchtern lassen, es war Maske; ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, nichts als Maske, und noch dazu plump durchgeführt. Ich wäre auch nicht sogleich abgegangen, das versichere ich Ihnen, aber Sie waren auf einmal zur Thür hinaus, und allein konnte ich da drinnen auch nichts ausrichten.«

»Ich hatte genug,« meinte der Major, »und es fiel mir gar nicht ein, mich länger als unumgänglich nöthig mit jenem alten Weib herum zu zanken.«

»Wenn ich nur meiner ersten Eingebung gefolgt wäre und mich ihr als Polizeirath vorgestellt hätte! Ich sage Ihnen, eines Tages in Schwerin....«

»Weiter hätte nichts gefehlt,« rief der Major, »daß wir dann Beide in Teufels Küche gekommen und am Ende gar noch eingesteckt wären! Hören Sie, Rath, Sie haben gar keine Idee davon, welcher Gefahr Sie dadurch entgangen sind, daß Sie es nicht gethan.«

»Sie haben keine Courage, Major.«

»Allerdings nicht zu so faulem Kram, wo man sich den Rücken nicht gedeckt weiß. Ehrlich drauf, ja.«

»Na, ich dächte, weiß es Gott, ich wäre ehrlich draufgegangen,« sagte Rath Frühbach mit Selbstgefühl. »Und was wird nun? Denn hier auf dem Kartoffelacker können wir doch nicht gut stehen bleiben.«

»Haben Sie noch etwas im Ort zu besorgen?«