»Nichts als einige Flaschen Aepfelwein einzupacken. Hören Sie, Major, der Aepfelwein bei der Alten war wirklich famos! Schade, daß er von einem solchen Cerberus bewacht wird.«

»Ich wollte, wir hätten nichts davon getrunken,« sagte der Major mürrisch; »darin hatte die Alte recht, es sah häßlich aus, ich nippte auch nur daran. Aber nun thun Sie mir den Gefallen und lassen Sie uns machen, daß wir fortkommen. Ich habe genug von Vollmers, und hoffe das Nest in meinem ganzen Leben nicht wieder zu sehen.«

»Für heute muß ich auch sagen,« bestätigte der Rath, »daß ich kein großes Verlangen trage, länger da zu bleiben, und ich möchte besonders der aufgeregten Dame nicht noch einmal begegnen. Aber kommen Sie, Major, wir brauchen ja nicht wieder an dem Haus vorbei zu gehen, sondern können hier geradeaus die Straße halten. Mit einem ganz unbedeutenden Umweg kommen wir dann zum Wirthshaus zurück.«

Der Major ließ sich nicht lange nöthigen, und die beiden Herren kreuzten bald darauf, mit einem scheuen Seitenblick nach links, ohne aber ein Wort weiter darüber zu erwähnen, die Straße, in welcher das Haus der Frau Müller so still und friedlich lag, als ob da nie ein Sturm gewüthet hätte.

Aber sie hatten damit, wie sie vielleicht wähnten, noch nicht Alles überstanden; denn wie sie in die breite Chaussee einbogen, die nach dem Wirthshaus hinaufführte, stand vor demselben und unter dem Schild mit dem hellrothen Engel ein anderer, dunkelrother, in einer weißen Haube – der obere trug Locken – und gesticulirte eifrig mit dem achselzuckend vor ihr stehenden Wirth.

Beide Freunde blieben unwillkürlich mitten in der Straße stehen, als sie gleichzeitig die Dame erkannten. Das hatte keiner von ihnen erwartet, und selbst der Rath fühlte sich bei diesem Anblick unbehaglich. Aber ob die Dame sie selber bemerkte und nicht wieder mit ihnen zusammentreffen wollte, oder ob sie beendet hatte, was sie hieher geführt, sie machte noch ein paar entschiedene Bewegungen mit dem rechten Arm – in der Entfernung konnten sie natürlich nicht hören, was sie sagte – und wandte sich dann die Straße hinab, wo sie bald darauf in eine Seitengasse einbog.

»Das Frauenzimmer ist zu Allem fähig,« stöhnte der Major, als sie wieder, Beide zugleich, ihren Weg verfolgten, denn das Hinderniß war beseitigt; »jetzt hat sie sich dort nach unseren Namen erkundigt.«

»Und der Esel von Wirth wird ihr auch die genaue Adresse gegeben haben,« ergänzte der Rath. »Es sieht ihm ähnlich.«

»Nun, versteht sich von selbst, und in den nächsten Tagen steht die Geschichte in der Zeitung. Mein lieber Rath, ich wollte, ich hätte das verdammte Vollmers in meinem ganzen Leben nicht gesehen.«

»Jetzt kann's nichts mehr helfen,« bemerkte Frühbach ganz richtig; »der Stein rollt, und wir können ihn nicht mehr halten.«