»Er bekommt manchmal plötzliche Schmerzen. Ich fürchte, seine Krankheit ist gefährlicher, als wir ahnen.«
»Du fürchtest das?« sagte die Tante, und wieder traf ihn solch ein böser Blick aus ihren Augen.
»Und weshalb sollte ich es weniger fürchten, weniger fühlen, Tante, als Ihr?« sagte Bruno erstaunt. »Glaubst Du, daß ich Benno weniger lieb habe als Ihr – wenn Ihr ihn auch mehr geliebt habt als mich?«
»Ich sagte das nicht,« erwiederte finster die Tante und wandte sich von ihm ab; »Du drehst Einem die Worte im Munde herum. Ich glaube gar nicht, daß er so krank ist, sondern nur schwach und angegriffen, das meinte ich – aber da kommt der Vater.«
Und damit ließ sie ihn stehen, verließ den Saal und warf die Thür hinter sich in's Schloß.
Bruno war stehen geblieben und sah ihr nach, und wieder tauchten jene geheimnißvollen Worte in ihm auf, die sie damals gesprochen; aber ein anderer Gegenstand beschäftigte seinen Geist – was kümmerte ihn auch die Tante!
Draußen durch die Glasthür sah er seinen Vater kommen, und etwa zwei Schritt hinter ihm folgte der junge Baumann, der eine kleine, wunderlich geformte Maschine in der Hand trug. Der alte Herr hatte sich aber auf keine Unterhaltung mit dem »Handwerker« eingelassen; er wußte allerdings, daß Benno mit großer Liebe an dem jungen Mann hing, und Benno's wegen duldete er den Besuch, aber er sah ihn nicht gern und machte auch nicht viel Umstände mit ihm.
»Gehen Sie hinauf,« sagte er, als sie die Thür des Gartensaales erreichten; »Sie wissen den Weg. Benno ist oben und hat mich schon heute Morgen nach Ihnen gefragt; aber bleiben Sie nicht zu lange. Sein Kopf glüht jedesmal, wenn Sie ihn verlassen haben; der Arzt hat jede Aufregung streng untersagt.«
»Sehr wohl, Herr Baron,« sagte der junge Mann ruhig; »ich wäre auch gar nicht herausgekommen, wenn ich nicht geglaubt hätte dem Kranken eine Freude zu machen. Er hat mich gestern selber darum bitten lassen, und ich sagte es deshalb zu.«
»Es ist gut,« nickte ihm der Baron vornehm zu, und Baumann wollte mit einem kurzen Gruß an Benno vorüber der Verbindungsthür zuschreiten, als Bruno die Hand gegen ihn ausstreckte.