»Armer junger Mann, so reich begabt, so gut und so unglücklich!«
»Ja, er ist wirklich gut und unglücklich,« seufzte Kathinka, »denn ich fürchte das Schlimmste für ihn!«
»Und glauben Sie nicht, Fräulein, daß er geheilt werden könnte, vielleicht durch eine Luftveränderung?«
»Ich weiß es nicht; aber der Arzt sieht ihn immer so mitleidig an und hat ihm in der letzten Zeit wieder so Vieles erlaubt, was ihm sonst streng verboten war – das ist kein gutes Zeichen.«
»Und Sie sind immer so gut mit ihm und geben sich so viele Mühe...«
»Ich wollte, ich könnte mehr für ihn thun,« sagte Kathinka herzlich, »und wenn er stirbt, werde ich ihn wie einen Bruder betrauern.«
»Und Sie Beide haben keine Mutter!« sagte Baumann fast unwillkürlich, denn er dachte an die rauhen Worte, die er vorhin im Schlosse gehört, bereute aber augenblicklich das Gesprochene, als er sah, welch ein wehmüthiger Ausdruck sich über Kathinka's Züge legte. Er setzte auch rasch hinzu: »Ich habe Ihnen nicht weh thun wollen, liebes Fräulein, seien Sie mir nicht böse.«
»Gewiß nicht, ich weiß es,« erwiederte Kathinka leise; »aber da kommt der Baron schon wieder zurück,« fuhr sie rasch und augenscheinlich erfreut, das Gespräch abbrechen zu können, fort. »Wie schnell er muß gegangen sein! Er fühlt sich heute doch viel kräftiger! Gott gebe nur, daß es so bleibt!«
Benno kehrte zurück. Er sah in der That heute viel wohler aus, als in den letzten Tagen; sein sonst so bleiches, wachsähnliches Gesicht hatte Farbe, und das Auge einen viel gesunderen und natürlichen Glanz. Er nahm auch ohne Weiteres, wie stets gewohnt, Kathinka's Arm und sagte fröhlich: »So, und nun gehen wir langsam durch den Park der Hinterpforte zu; von dort aus schneiden Sie den ganzen langen und häßlichen Weg durch das Dorf ab, Baumann, und haben gar nicht mehr so weit in die Stadt. Aber wann kommen Sie wieder heraus?«
»Sobald ich irgend kann, Herr Baron, gewiß.«