»Und habe ich nicht einen rechtmäßigen Erben für mein Haus – für meinen Namen?«
»Sie meinen den Baron Benno, nicht wahr? Armer Vater, sehen Sie denn nicht, daß das Kind nur ein wurmstichiger Apfel ist? Und sechs Jahre müßte er noch leben, um der Frist zu genügen.«
»Ich hoffe, daß er noch sechzig leben soll!« rief der alte Mann; »denn die Gefahr der Krankheit ist beseitigt. Heute noch war er kräftiger und gesunder als je. Seine Wangen bekommen wieder Farbe, sein Geist ist frischer, sein Körper kräftiger geworden, und wenn....«
Der alte Freiherr horchte auf, denn über den Gang kam ein hastiger Schritt; kaum fünf Secunden später wurde die Thür aufgerissen, und der alte Christoph stürzte mit einem ganz verstörten Gesicht herein.
»Was giebt's? Was hast Du?« rief ihn der Baron erschreckt an.
»Ach, gnädiger Herr Baron,« stammelte der Alte, und schon sein Gesicht kündete ein Unglück – »Sie – Sie möchten doch einmal schnell in den Garten kommen; der junge Herr Baron....«
»Benno?« schrie der Freiherr in Todesangst.
»Der junge Baron Benno hat plötzlich einen Blutsturz bekommen, und Fräulein Kathinka ist allein mit ihm.«
»Armes junges Blut!« sagte die Frau, während der alte Herr fast starr vor Entsetzen auf einem Stuhl zusammenknickte und einen Moment das Antlitz in den Händen barg. Aber es war auch nur ein Moment. Im nächsten schon fuhr er wieder empor und griff mit wild verstörtem Blick nach seinem Hut.
»Ist schon Jemand fort nach einem Arzte?«