»Der Karl sattelt eben das eine Wagenpferd; der Schimmel lahmte heute Morgen ein wenig.«

»Mein ältester Sohn ist mit seinem Fuchse hier; er soll augenblicklich selber in die Stadt jagen und einen Arzt heraussenden.«

Der Diener eilte fort, und der Baron wollte ihm nach, als sein Blick die noch dort stehende Frau traf.

»Aber jetzt – jetzt kann ich nicht!« rief er von Angst gepeinigt aus.

»Nein, Herr Baron,« sagte die Frau, mit dem Kopf schüttelnd, »jetzt gewiß nicht; ich komme wieder – morgen oder übermorgen oder in acht Tagen vielleicht – wenn die »sechzig Jahre« vorüber sind,« setzte sie leise murmelnd hinzu und verließ das Gemach und gleich darauf auch das Schloß.

Der Diener hatte übrigens den Unfall, der den armen jungen Mann getroffen, nicht übertrieben. Als der Vater mit zitternden Gliedern, aber festen Schrittes den Park durcheilte, fand er den Sohn auf dem Rasen liegend, den Kopf an Kathinka's Kniee gelehnt, deren lichtes Kleid von seinem Blute geröthet war. Er sah dabei todtenblaß aus, und die Augen hafteten mit einem ganz eigenthümlichen Glanz auf dem Nahenden.

»Benno, mein armer Benno, was ist geschehen?« rief der Baron, neben ihm niederknieend und seine Hand ergreifend. »Du bist gewiß zu rasch mit ihm gegangen, Kathinka, ich habe es Dir so oft verboten.«

Der Kranke schüttelte leise mit dem Kopf und hob mühsam die eine Hand; dann sagte er leise: »Nein, Kathinka ist nicht Schuld daran; es kam so plötzlich – ich – fühlte mich so wohl und leicht – wie lange nicht mehr. Ich war so glücklich – es ist so schön, gesund sein – und ich bin immer krank gewesen. Arme Kathinka, und wie Dein hübsches Kleid aussieht – aber ich konnte nicht dafür.«

»Mein lieber, guter Benno,« sagte das junge Mädchen bittend, »das hat ja gar nichts zu sagen; sorge Dich nur darum nicht, das wäscht sich ja Alles wieder aus.«

Der Vater hatte mit angsterfüllten Blicken den Sohn betrachtet, und die Worte schnitten ihm in's Herz. Nur erst, als Benno einen Versuch machen wollte aufzustehen, wehrte er ihm.