»Es ist ein sonderbar Ding,« sagte der alte Jude, langsam dazu mit dem Kopf nickend, »daß sich die Menschen ein Wort so hoch hinstellen und so verehren, und dann nachher doch so leichtsinnig damit umgehen. Ich versteh's nicht und kann's nicht begreifen. Aber haben Sie vielleicht für einen guten Freund oder Verwandten, der in großer Noth und Gefahr war, gutgesagt, Herr Baron, daß Sie das viele Geld brauchen, oder haben Sie – Gott will's verhüten! – gespielt?«

»Nein, Salomon,« sagte der Baron, »gespielt habe ich nicht. Ich versprach Euch ja bei dem letzten Anlehen, nicht zu spielen; aber – mein Pferd war schlecht, ich mußte ein anderes Thier haben, und der englische Lord, der hier kürzlich seinen Marstall verkaufte, hatte einen so wundervollen Fuchs...«

»Für zweihundert Lujedor?« rief der alte Mann, seine Hände vor Verwunderung zusammenschlagend.

»Es ist ein Spottpreis für das Pferd,« rief der Lieutenant, »und ich konnte es mir nicht entgehen lassen! Die Kaufbedingungen waren aber baar Geld, oder letzter Zahlungstermin heute Abend unter Garantie. Mein Ehrenwort wurde natürlich als solche genommen, und ich bekam das Pferd.«

»Zweihundert Lujedor für ein Pferd,« sagte Salomon noch immer kopfschüttelnd über den Gedanken, »und wenn Sie drauf sitzen und es stolpert und bricht ein Bein, so sind die zweihundert Lujedors mitgebrochen und kapores. Man sollt's nicht glauben, wenn man's nicht mit eigenen Ohren hörte.«

»Und kann ich das Geld bekommen, Salomon?«

Der alte Mann hörte nicht auf zu schütteln. »Herr Baron,« sagte er endlich, »Sie wissen, daß ich Ihnen bin gefällig gewesen, wo ich konnte, aber – es hat Alles seine Grenzen – auch mein Geldbeutel. Ich bin kein armer Mann, der Herr hat meine Arbeit und meinen Fleiß gesegnet; aber in den Waaren steckt viel Geld, und wenig Leute kommen, die kaufen. Wer soll sorgen für meine alten Tage, wenn ich's nicht thue? Keine Seele. Was kümmert sie der alte Salomon!«

»Aber das Geld ist Euch doch sicher, Salomon.«

»Weiß ich nicht,« sagte der alte Mann entschlossen, »denn es ist keine Erbschaft wie sonst, sondern noch in den Händen des Gerichts und an Bedingungen geknüpft.«

»Die aber in so kurzer Zeit gelöst sind.«