»Es ist möglich, Salomon,« sagte der junge Mann, »daß wir uns jetzt in längerer Zeit nicht sehen. Erlauben Sie mir, Ihre Tochter noch zu begrüßen.«

Der Alte zögerte. »Gehen Sie,« sagte er endlich; »ihre Mutter ist oben, ich kann jetzt noch nicht; es ist vier Uhr gerade, und ein Freund wollte kommen, mit dem ich habe zu reden. Ich folge gleich nach, muß dann erst zuschließen die Ladenthür, denn viel Gesindel treibt sich hier herum.«

»Ich werde vorausgehen.«

»Der Herr Baron wissen ja den Weg, die Treppe ist etwas dunkel; erst vier Stufen, dann ein Absatz und dann drei. Fallen Sie nicht.«

»Ich kenne ja die Treppe – also auf Wiedersehen, Salomon!« Und mit schwerem Herzen schritt der junge Mann durch die Hinterthür über den Hof und dort dem schmalen Eingang zu, der zu dem eigentlichen Wohnhaus des alten Mannes hinaufführte.

7.
Rebekka.

Das Haus war von der Vorderseite, wenn auch massiv gebaut, doch unscheinbar genug, denn den ganzen unteren Theil nahm der gewölbte Laden ein, während die oberen Räume zu Speichern und Waarenläden benutzt wurden und nicht einmal Fenster, sondern braune Laden zeigten. Eben so schmal war der Hof; aber von dem Hintergebäude an erweiterte sich das Grundstück, das hinter diesem einen wohl von Mauern eingeschlossenen, aber doch freundlichen und auch nicht ganz kleinen Garten besaß. Auf der Treppe herrschte allerdings kaum Dämmerlicht, und es erforderte einige Geschicklichkeit, sich hinaufzufinden; oben aber verrieth eine sauber angestrichene Glasthür die behäbigere Wohnung, und das Licht fiel hier durch ein Fenster von dickem Glase schräg auf den Vorsaal hinab, in dem sich drei Thüren öffneten.

Wendelsheim zog die Klingel; drinnen wurde der Vorhang etwas zurückgeschoben, und er hörte die Stimme der Mutter.

»Gott der Gerechte, der Herr Baron – Rebekkchen, der Herr Baron kommt!«

Zugleich wurde der Schlüssel umgedreht und die Kette zurückgeschlagen, und die alte Frau begrüßte den jungen Officier mit einem tiefen Knix.