»Und darf ich eintreten, liebe Frau Salomon?«

»Mit dem größten Vergnügen, wenn Sie uns die Ehre anthun wollen.«

Die Frau war wirklich die Höflichkeit selber, denn erstens wirkte der Name eines Barons doch immer auf sie ein, und dann hatte sie den jungen Mann, der sich früher in ihrem Hause eingeführt und manche Stunde dort in harmloser, geselliger Weise verbracht hatte, in der That liebgewonnen.

Bruno schritt der Thür zu, wo er Rebekka wußte, und als er dort anklopfte und ein leises, kaum hörbares Herein! vernahm, sah er sich plötzlich dem Mädchen gegenüber, das schon seinen Namen draußen gehört hatte und jetzt, ihn erwartend, mitten in der Stube stand. Aber auf der Schwelle blieb er wie gefesselt halten, denn mehr einer überirdischen Erscheinung als einem menschlichen Wesen glich das wunderbar schöne Mädchen.

Ein langes weißes Gewand, nur in der Mitte durch einen blitzenden Gürtel gehalten, umhüllte ihre schlanke Gestalt. In vollen, üppigen Locken fiel ihr das rabenschwarze Haar auf den Nacken nieder, und aus dem jetzt nur durch die Erregung bleichen Antlitz sahen ihn ein Paar große, seelenvolle Augen an – und diese Augen, dieser Blick, der ihn traf!

»Rebekka,« sagte der junge Officier, wirklich überrascht von dem Anblick, denn so schön – so ungewöhnlich schön hatte er das Mädchen noch nie gesehen – »wie freue ich mich, Sie wieder begrüßen zu dürfen!«

»Thun Sie das wirklich?« sagte sie mit leiser, zitternder Stimme. »O, wenn ich das glauben dürfte!«

Er schritt auf sie zu und faßte ihre Hand – sie war kalt und bebte in der seinigen; er hatte sie sonst nur auf diese Weise begrüßt, heute hob er unwillkürlich die feinen Finger an seine Lippen und preßte einen heißen Kuß darauf.

»Und wie lange sind Sie ausgeblieben,« flüsterte Rebekka mit einem leisen, aber doch so freundlichen Vorwurf im Tone; »wie hatte ich mich darauf gefreut, daß Sie Ihr Versprechen halten und mit mir die Noten durchgehen würden, die Sie mir geschickt.«

»Ich bekenne mich schuldig, mein Fräulein,« sagte der junge Mann, indem er ihr voll in die klaren Augen schaute, während die ganze duftige Gestalt des Mädchens vom Sonnenlicht wie übergossen schien; »aber ich fürchte fast, daß ich trotzdem noch – zu oft gekommen bin.«