»Zweihundert Louisd'or.«
»Na ja, so ungefähr meine Gedanken.«
»Aber es soll ein prachtvolles Pferd sein!« rief das junge Mädchen.
»Nein, ich meine nicht das Pferd, ich meine den Reiter,« sagte der Vater; »aber laß gut sein. Er ist eben nicht anders, wie die meisten Uebrigen, und zu einem Abend auf dem Ball mag er ausreichen. Doch ging da nicht eben draußen die Thür?«
In dem Augenblick klopfte es an.
»Herein!«
»Bitte underthänigst um Escüse, wenn ich etwa stören sollte!« sagte eine etwas scharfe Stimme, und ein Kopf mit rothen Haaren erschien – etwa in der Nähe des Schlosses – in der Thür.
»Ah, der Schuhmacher!« rief Ottilie, während ein muthwilliges Lächeln über ihre Züge blitzte. »Kommen Sie herein, Meister Heßberger; Papa ist gerade hier.«
»Mich allergehorsamst zu bedanken,« sagte der Höfliche, indem er, wie er schon vor der Thür gestanden hatte, in's Zimmer trat. »Gelobt sei Jesus Christus – wünsche allerseits einen vergnügten Morgen!« Dabei blitzten die kleinen, hellgrauen Augen rasch durch das Zimmer, um zu sehen, wer sich hier befand, und auf den Spitzen der Zehen trat er dann weiter in die Stube hinein.
Schuhmachermeister Heßberger war in der That ein wunderlicher Bursche und hatte seine Eigenthümlichkeiten. Von kleiner, untersetzter Gestalt, machte er bei seinem ersten Erscheinen fast stets den Eindruck, als ob ihm der Kopf, den er trug, gar nicht gehöre und er ihn nur aus Versehen heute Morgen aufgesetzt habe. Der Körper war dünn und schmächtig, das Gesicht aber, mit einem tüchtigen Unterkinn daran, sah fett und glänzend aus, mit breitem Mund und etwas aufgestülpter Nase. Das Haar trug er glatt angekämmt à la Napoleon I., nur daß es feuerroth war, und in den Ohren kleine goldene Ringe. Die kaum sichtbaren Augenbrauen waren dabei immer in die Höhe gezogen, und kein Mensch hatte ihn außerdem im Leben lachen sehen. Die Mundwinkel gingen ihm stets nach unten, und er machte permanent ein Gesicht, als ob er auf der Erde innig betrübt wäre und nur zum Troste gen Himmel und nach oben blicke. Er stand auch in der That im »Geruche der Frömmigkeit« und würde nie an einem Sonn- oder Feiertage die Kirche versäumt haben, wo er sich dann jedesmal durch seine gellende Stimme auszeichnete.