Jetzt hatte er das Wirthshaus erreicht – fehlen konnte er's nicht, denn ein großes Schild mit einem goldenen Haifisch verrieth den Platz schon von Weitem, und rasch schritt er darauf zu, blieb aber ganz erstaunt in der Thür stehen, als er das ganze Gebäude, das etwa noch einmal so groß wie die gegenüberliegende Kirche sein mochte, gedrängt voll fröhlicher zechender Menschen sah.
»Ja, alle Wetter!« rief er erstaunt aus, »da wundert's mich freilich nicht mehr, daß ich Niemanden in den Häusern gesehen habe, wenn sie Alle im Wirthshaus sitzen.«
»Mach' die Thür zu!« rief ihn aber der Wirth an – eine große breitschultrige Gestalt mit Pockennarben, dessen Gesicht ihm merkwürdig bekannt vorkam – »Donnerwetter das ganze Wasser läuft ja herein.«
Hasenmeier zog rasch die Thür hinter sich zu und den Hut vom Kopf.
»Armer reisender Handwerksbursch,« sagte er dabei mit kläglicher Stimme, »bittet allerseits um ein kleines Geschenk.«
»Hurrah, ein Handwerksbursch!« lachten und schrien aber die Gäste durcheinander, und ein Toben entstand jetzt, wie es auf der Oberfläche der Erde nicht natürlicher hätte aufgeführt werden können.
Hasenmeier sah auch hier zu seinem Erstaunen, wie reichlich mit Getränken und Speisewaaren versehen die Bewohner dieser unterseeischen Station sein mußten, denn rings an den Wänden waren Massen von Fässern, mit allen nur denkbaren köstlichen Weinen und Spirituosen aufgeschichtet, während neben an, ein anderes weites Lokal die Speisekammer zu sein schien. Lange Zeit ließen ihm aber die Insassen nicht zum Umschauen, denn von allen Seiten wurden ihm Krüge und Gläser entgegengehalten, und Hasenmeier wußte gar nicht, wo er zuerst zulangen sollte.
»Wo habt Ihr nur alle die guten Sachen her?« rief er dabei, »Ihr lebt ja hier wahrhaftig, wie der liebe Gott in Frankreich.«
»Woher?« lachte der Wirth, »glaubst Du denn mein Bursch, daß alle die guten Sachen verloren gehen, die uns die Schiffe herunter schütteln – Ladungsweise bekommen wir sie, daß wir manchmal gar nicht wissen wohin damit – aber jetzt trink aus, denn wir müssen fort.«
»Fort? wohin?« frug der Handwerksbursch, der gar nicht daran dachte, sobald wieder fortzugehen, »hier ist's doch hübsch genug.«