»Ja es wird Zeit,« riefen aber auch die Anderen und holten jetzt aus Ecken und Winkeln alle nur erdenkbare Arten von Mordwaffen, Lanzen, Spieße, Flinten, Säbel, Pistolen und wer weiß was hervor.
»Aber was ist denn nur los?« rief Hasenmeier, »wollt Ihr in den Krieg? – Donnerwetter, halten Sie mir die Flinte nicht so auf den Leib; das Ding kann losgehen.«
»Was los ist, Kamerad,« sagte der Wirth, »das sollst Du gleich wissen. Hier ganz in der Nähe läßt sich nämlich seit einigen Monaten die Seeschlange blicken, und holt uns unsere Kühe und Kälber von der Weide, ja, hat neulich sogar ein kleines Nixchen, das mit einer Muschel nach ihr warf, mit Haut und Haaren aufgefressen.«
»Und hat denn das der Gendarm gelitten?« frug Hasenmeier.
»Ja, die kehrt sich wohl an einen Gendarm,« lachte der Wirth, »nein, wo wirklich etwas los ist, da müssen wir immer selber hinaus und uns Ruhe schaffen, denn solche Bestien giebt's leider nur zu häufig in unserer Gegend. Der Bürgermeister ist auch schon heut Morgen in aller Früh mit seinen Hunden ausgegangen, um einmal abzuspüren und wenn wir dann wissen, wo sie sich versteckt hält, wollen wir sie nachher schon kriegen.«
»Na, dann will ich derweile ein Bischen hier bleiben und mich ausruhen,« sagte Hasenmeier, dem Nichts ferner lag, als hier unten mit einer Seeschlange anzubinden, da diese allen früher gelesenen Beschreibungen nach ja ein ganz entsetzliches Beest sein sollte.
»Möchtest Du wohl,« meinte der Wirth lachend, »ne mein Bursche, wenn Du hier unten bei uns leben willst, gehörst Du auch mit zur Landwehr und mußt ausrücken.«
»Aber ich bin militärfrei,« rief Zacharias, »der Doctor hat mich untersucht und erklärt, ich hielte die dreijährige Dienstzeit nicht aus – und dann bin ich auch auf dem linken Ohr taub.«
»Papperlapapp!« riefen aber die Anderen, »das macht hier Alles Nichts – gebt ihm einmal eine Lanze oder sonst was und nun vorwärts, sonst schimpft der Herr Bürgermeister.«
Alle weiteren Gegenvorstellungen, daß er sich eine Blase unter den rechten Fuß gelaufen, und den Rheumatismus im Knie hätte, halfen ihm in der That Nichts. Sie schnallten ihm einen furchtbar großen Säbel um, der wohl einen Fuß hinten nach schleifte und ihm, wenn er sich umdrehen wollte, zwischen die Beine kam, und dann brach die ganze Gesellschaft auf, sammelte sich draußen auf der Straße und marschirte nun in Reih und Glied, während ein paar Jungen vorneweg auf Muscheln bließen, zum Dorf hinaus.