Hasenmeier war bei der Sache nicht recht wohl.
»Wenn ich das gewußt hätte,« dachte er bei sich, »so wäre ich lieber noch einen Tag an Bord geblieben,« aber es nützte ihm Nichts. Als Vaterlandsvertheidiger mußte er mit in Reih und Glied marschiren, und dabei auch noch vergnügt aussehen, wenn er nicht von seinen Nebenmännern verhöhnt sein wollte.
So zog der kleine Trupp, etwa vierzig Mann stark, durch die stillen Straßen der Stadt, und Hasenmeier bemerkte wohl, daß hie und da verstohlen ein Frauenkopf an die Fenster kam, um nach einem oder dem anderen der jungen Lieutenants hinunter zu schielen; aber es blieb ihm auch nicht viel Zeit zu solchen Betrachtungen, denn schon öffnete sich vor ihnen das weite Feld, eine mit hohem Seegras bewachsene Wiese, in der ihnen jeden Augenblick die gefürchtete Seeschlange unter den Füßen herausfahren konnte.
Dort draußen bewegte sich jetzt eine menschliche Gestalt, die ihnen zuzuwinken schien – das mußte der Bürgermeister sein und die Muschelbläser vorn wurden bedeutet, ruhig zu sein, denn man konnte ja nicht wissen, wie nahe die Bestie versteckt lag.
So rückten sie leise und geräuschlos vor, aber das Seegras war hier so tief und verwachsen, daß Hasenmeier kaum darin fortkonnte und immer ärger stöhnte und schwitzte.
Der Herr Bürgermeister, der seine Flinte in der Hand hielt, suchte indessen das nächste Feld ab und hielt plötzlich still und sah vorsichtig voraus. Zacharias bemerkte jetzt, daß er ein paar große Seehunde bei sich hatte, und der eine stand – der Bürgermeister winkte, daß sie sich ruhig verhalten sollten, und schritt leise vor. Der eine Seehund zog vortrefflich an – plötzlich fuhr ein Volk fliegender Fische aus dem Gras heraus und der Bürgermeister machte eine famose Doublette nach rechts und links, während die beiden Seehunde vorsprangen und jeder seinen Fisch apportirte.
Hasenmeier, von dem ermüdenden Marsch durch das Seegras vollständig erschöpft, war froh genug, einen, wenn auch nur kurzen Ruhepunkt zu gewinnen, wischte sich den Schweiß von der Stirn und setzte sich dann auf einen der nahebei befindlichen Korallenblöcke, die hier überall aus dem Gras hervorschauten. Mit einem lauten Aufschrei sprang er aber auch schon in demselben Moment wieder in die Höh', denn er hatte sich den Platz, auf den er sich niederlassen wollte, vorher nicht genau angesehen, und sich dabei mitten auf einen Meerigel gesetzt, der dort zusammengerollt lag.
Die Anderen lachten, aber es war jetzt doch keine Zeit zur Kurzweil mehr, denn der Bürgermeister kam heran und theilte den Leuten mit, daß er das Versteck des Meerungeheuers aufgespürt habe. Es sollte zusammengeknäult in einem kleinen Dickicht von Algen und Korallenbäumen liegen, die etwa tausend Schritt von dort entfernt standen und deutlich von hier aus zu erkennen waren.
»Wer ist der Neue da,« sagte der Bürgermeister plötzlich und streng, als sein Blick auf Hasenmeier fiel, »wo kommt er her?«
»Bitte um Entschuldigung, Herr Bürgermeister, ich wollte nur –« stammelte der Handwerksbursch.