Glücklich waren noch Solche zu schätzen, welche Krankheit nicht allein und einsam in der Wildniß traf, und welche Freunde fanden, um sie aus den Bergen und Schluchten hinaus wieder in den Bereich der Civilisation und ordentlicher Pflege zu bringen. Allen aber half das freilich auch nicht; Viele starben schon unterwegs, Andere lebten gerade lange genug, um den Hospitalkirchhof zu erreichen, und Wenige, o wie entsetzlich Wenige von alle den armen hülflosen und gebrochenen Menschen konnten wieder soweit gebracht werden, mit gekräftigtem Körper ihre Arbeit auf's Neue zu beginnen!
Eins aber büßten Alle ein: das mitgebrachte Gold – denn eben nur mit Gold wurden in damaliger Zeit Arzneien aufgewogen und ein tüchtiger Arzt hatte seine beste und einträglichste Mine in den Krankheiten seiner Patienten. Was lag den Kranken auch an dem ausgewaschenen und erbeuteten Gold? – wo sie das gefunden, gab es mehr, und wenn ihr Körper nur seine alte Kraft wieder erlangte, alles Andere war nicht der Rede werth.
Draußen am langen Werft hatte auch heute wieder das von Sacramento kommende Dampfboot angelegt, und nachdem die Passagiere das Schiff verlassen, schafften die Matrosen noch ein paar schwer kranke Miner an's Land, oder vielmehr auf die Spitze des über eine halbe Meile langen Werftes hinaus, legten sie dort, in eine wollene Decke gewickelt, auf die Planken und kehrten dann an Bord zu ihrer Arbeit zurück. Die Freunde oder Kameraden der Leidenden mochten jetzt sehen, wie sie allein mit ihnen fertig wurden.
Zwei der Unglücklichen waren Amerikaner und ihr Kamerad lief das Werft entlang, um irgendwo eine Karre aufzutreiben, auf der er sie in ein Kosthaus, oder auch vielleicht in das Hospital schaffen konnte. Der Dritte schien ein Fremder, – sein Begleiter, der sich zu ihm überbog und einige Fragen an den halb Bewußtlosen richtete, sprach französisch mit ihm. Ein paar Yankee's, die auf dem Werft herumschlenderten, blieben neben den Beiden stehen und frugen endlich theilnehmend, was dem Armen fehle.
»O Gentlemen,« sagte der Franzose in sehr gebrochenem Englisch, »Fieber – schweres Fieber – Phantasieen, viel Phantasieen. Hab' ihn gefragt – Landsmann von mir – wohin er gebracht sein will – bin selber fremd hier – vor einem Jahr nur zwei Stunden in San-Francisco gewesen – Er sagt Nichts – nur Mission Dolores – weiter kein Wort.«
»Ist es Dein Kamerad?«
»Nein – habe ihn gefunden auf Dampfboot krank – sehr krank – weiß nicht, wie er heißt – aber Landsmann –«
»Also Mission Dolores sagt er?« frug der andere Amerikaner.
»Toujours – ever – kein anderes Wort.«
»Dann will er auch in das Hospital auf der Mission geschafft sein,« sagt der Andere – »dort ist ein Hospital, das ein Fremder hält, ich weiß nicht, ein Spanier oder Franzose – er spricht jedenfalls französisch und hat Viele von Euren Landsleuten oben.«