»Tausend Dank, Señor, – ich – werde ihn tragen,« und der junge Mann, in der Erregung des Augenblicks selbst die Umgebung vergessend, zog sie an sich und preßte einen heißen Kuß auf ihren Nacken.
»Marequita,« sagte eine hohle, tonlose Stimme, und das junge Mädchen wandte bestürzt den Kopf. Da fiel ihr Blick auf die bleiche Gestalt und begegnete den stieren, entsetzlichen Augen, die glühend und wie verzehrend auf ihr hafteten.
»Ave Maria Purisima!« schrie da eine entsetzliche Stimme; es war einer der Krankenwärter, der sich in den Saal geschlichen, um hier zuzusehen: »der Wahnsinnige – der todte Wahnsinnige!«
»Jerome!« stöhnte Marequita und schlug, ehe der Offizier nur zuspringen konnte, um sie aufzufangen, schwerfällig und bewußtlos zu Boden nieder.
»Der Wahnsinnige!« von Mund zu Mund lief der Schreckensschrei, und entsetzt drängten die Mädchen von der Stelle hinweg, dem hinteren Theil des Zimmers zu.
Ob Jerome begriff, was hier geschah? Einen Moment stand er selber regungslos, und wie scheu und erstaunt flog sein Blick über den inneren Raum – über die wild vor ihm fliehenden Gestalten der Mädchen. Da schrie der Wärter wieder:
»Haltet ihn, um der Mutter Gottes willen laßt ihn nicht fort!« und als ob nur der Ton dieser Stimme ihn zum Leben zurückgerufen hätte, so zuckte der Unglückliche empor. Sein Auge glühte, seine ganze Gestalt hob sich – fast unwillkürlich öffnete er dabei den Mund und zeigte seine beiden Reihen blinkender Zähne, daß selbst die ihm nächsten Offiziere scheu davor zurückwichen.
»Haltet ihn! haltet ihn!« schrieen jetzt auch Andere, und drängten vor – nur der junge Offizier kniete, gar nicht auf den unheimlichen Fremden achtend, an der Seite der ohnmächtigen Geliebten und suchte sie zum Leben zu erwecken.
»Haltet ihn?« kreischte da Jerome, dessen ganze Wildheit bei dem Rufen auf's Neue erwachte – »haltet ihn?« und ehe ihn Jemand daran verhindern konnte, riß er den kurzen Schiffsdolch, den der spanische Seeoffizier an der Seite trug, aus seiner Scheide; »haltet ihn?« gellte er noch einmal, die Waffe mit einem entsetzlichen Lachen schwingend – »Raum da vorn!« und zum Stoß ausholend, warf er sich mit wildem Muth mitten auf den dichtesten Schwarm, der kaum so rasch zur Seite konnte, um ihm Bahn zu machen.
Wohl streckten sich hie und da Arme nach ihm aus, um ihn zu halten, aber nach rechts und links hinüber – unbekümmert, wen er traf, stieß der scharfe Stahl – nach rechts und links stürzten die Männer übereinander, zwei oder drei von ihnen schwer verwundet – wer hätte sich ihm entgegenwerfen wollen? und jetzt war er draußen im Freien, in der dunkelen Nacht.