»Marequita!« schrie seine gellende Stimme – »Marequita!« und sein Fuß berührte kaum den Boden, als er, die blutige Waffe noch immer in der Faust, an der Mission hin dem Ufer der Bai entgegenflog.
Einzelne der Tänzer und Zuschauer folgten ihm allerdings, oder thaten wenigstens so, als ob sie ihm folgen wollten, aber es holte ihn Niemand ein, und wenige Minuten später war er in der da draußen lagernden Finsterniß verschwunden.
Die Verwirrung, die jetzt in dem bis dahin noch so belebten Raum entstand, war nicht zu beschreiben, und an eine Fortsetzung des Tanzes kein Gedanke mehr. Zitternd und nur unter hinreichender Begleitung suchten die Mädchen ihre Wohnungen zu erreichen, und Fackeln wurden dann angezündet, um den entflohenen Kranken, bei dem es ein Räthsel blieb, wie er wieder vom Tode erwacht sei, doch noch vielleicht aufzufinden – aber vergebens. Der Boden war zu sehr von Menschen zertreten, um irgend einer bestimmten Spur folgen zu können, und unverrichteter Dinge kehrten die Männer erst spät in der Nacht zu der Mission zurück. Auch die Offiziere der spanischen Fregatte waren indessen wieder an Bord gerudert.
Am nächsten Morgen mit Tagesanbruch begannen die Bewohner der Mission alle ihre Nachforschungen von Neuem und jetzt mit besserem Muth, denn es blieb immer ein unbehagliches Gefühl, in Nacht und Nebel einem bewaffneten Wahnsinnigen hinaus in die Dunkelheit zu folgen – war auch wohl Keinem von ihnen am letzten Abend rechter Ernst gewesen. Jetzt aber gestaltete sich die Sache anders; mit Sonnenlicht war wenigstens die Gefahr beseitigt, daß der entsetzliche Mensch im Finstern auf sie einspringen könne, und auf und ab durchsuchten sie die Nachbarschaft und selbst den sandigen Waldrand, wo sich die Fährten leicht erkennen ließen. Sogar nach San-Francisco wurden Boten gesandt, um das Geschehene zu melden und dort nach dem Flüchtling zu forschen.
Sie hätten nicht nöthig gehabt, so weit nach ihm zu suchen. Als die Fluth ablief, fanden Fischer seinen Leichnam auf dem Schlamm unmittelbar am Ufer in der See und zwar genau in der Richtung, die er gestern Abend auf seiner Flucht genommen, als er aus der Thüre des Missionsgebäudes sprang. Es war auch damals gerade Fluth gewesen und ob er im Dunkeln von dem steilen Ufer hinab in die See gestürzt, ob er absichtlich den Tod dort gesucht – wer hätte es sagen können?
Er wurde still in das schon für ihn ausgeworfene Grab gelegt, und drei Tage später verließ auch die spanische Fregatte die Bai von San-Francisco wieder, um einer nur ihrem Kapitän bekannten Richtung zuzusteuern.
Der junge Lieutenant war allerdings noch zweimal an Land und in dem Hause von Marequita's Eltern gewesen, wo er das arme Mädchen bleich und in Thränen fand.
Und wann kehrte er wieder? – Wer konnte es sagen; denn sein Weg ging durch eine weite Strecke – aber mit den heißesten Schwüren betheuerte er der Jungfrau seine Liebe, und als er sie endlich verlassen mußte, barg sie laut schluchzend ihr Antlitz an der Brust des Vaters. – Es war zu viel für das arme Kind gewesen; zu rasch war Schlag auf Schlag gefolgt. Von dem Tage an – tanzte sie nicht mehr, vier volle Wochen lang. Als ich aber – etwas nach dieser Zeit – Californien verließ, blüheten ihre Wangen wieder wie vordem, und sie war unstreitig das schönste Mädchen und die beste Tänzerin auf der Mission Dolores.
Eine Polizeistreife in Cincinnati.
Eine so friedliche und geschäftige Stadt das halb von Deutschen bewohnte Cincinnati ist, so hat sie doch trotzdem ihr »schlechtes Viertel,« und da sich mir die Gelegenheit bot, es eines Abends zu besuchen, so versäumte ich sie nicht.