Wir folgten ihnen natürlich auf dem Fuß und: »Jammer, von keiner Menschenseele zu fassen!« hätte ich manchmal ausrufen mögen, wenn wir einzelne dieser höhlenartigen Wohnungen betraten.

Dort, unter Lumpen, lag auf einer schmutzigen Strohmatratze eine menschliche Gestalt zusammengekauert.

»Wer ist das?«

»Meine Schwester,« sagte eine alte, in der Ecke kauernde Frau, die man natürlich keines Grußes gewürdigt hatte, »sie ist krank.«

Auf dem Tisch flackerte ein fast niedergebranntes Talglicht seinen düsteren, unbestimmten Schein durch das Gemach, blies doch der kalte Nachtwind durch drei oder vier losgefaulte Planken in der Wand, aber der amerikanische Polizeilieutenant begnügte sich nicht mit der Antwort – war es doch ein zu gewöhnlicher Kniff dieser Art Leute, irgend Jemanden, den sie verstecken wollten, für einen Kranken auszugeben. Er zog ziemlich unsanft die Decke fort, und scheu und erschreckt schaute ein hohläugiges, bleiches Antlitz zu ihm auf. Es war in der That die kranke Schwester.

»Holla, Betsy, seit wann seid Ihr wieder nach Cincinnati gekommen?«

Die Kranke konnte nicht antworten und zog die Glieder fröstelnd zusammen, so daß der Lieutenant ihr die Decke wieder überwarf. Die Schwester antwortete für sie.

»Ihr Mann hat sie so mißhandelt und die wenigen Cents, die sie verdient, auch noch vertrunken, ohne ihr je nur einen Laib Brod in's Haus zu tragen. Da hat sie sich hier herunter geschleppt, um hier zu sterben.«

Es war ein Bild des Jammers, nicht des Verbrechens und doch lehnte daneben auf einer alten Schiffskiste ein halbtrunkenes schwarzes Mädchen, das nur noch genug Besinnung hatte, um die zerfetzten Oberkleider ein wenig zusammen zu raffen.

Wir gingen weiter. Aus diesem Hintergebäude gleich in ein anderes hinübersteigend – und der Weg war nicht angenehm, denn man sah gar nicht, wohin man den Fuß setzte, – erreichten wir ein niederes, schmales Haus, in welchem oben, in zwei verschiedenen Fenstern Licht brannte. Ohne Zögern stiegen wir die eine, durch die offenstehende, obere Thür matt beleuchtete Treppe hinan und fanden oben in dem Gemach Gesellschaft. Zwei junge, weiße Damen lebten hier in dem ärmlichen Raum, und auf einem dreibeinigen Stuhl saß ein Neger-Elegant, seinen Filzhut etwas verlegen in der Hand herumdrehend.