Der eine Polizeilieutenant trat, ohne die Gruppe mehr als eines flüchtigen Blickes zu würdigen, in das nächste Zimmer und leuchtete hinein – aber es war leer. Eines der beiden Mädchen wohnte wahrscheinlich darin, und war hier auch wohl weiter nichts Verdächtiges zu finden – nichts wenigstens, gegen was die Gesetze des Staates hätten einschreiten können.
Als wir die Straße wieder erreichten, hörten wir in einer der nächsten Negerspelunken Musik und fanden den Raum gedrängt voll Menschen. Ein paar von diesen drückten sich nun wohl ab, als sie die Polizeiuniformen erkannten, denn es giebt Konstitutionen, denen dieselben antipathisch sind; die meisten hielten aber wacker Stand, und wir fanden jetzt im Inneren einen alten Neger, beide Hände auf das Widerlichste verkrüppelt, der mit den Stumpfen eine Art von Banjo spielte und mit dicker, schwerer Stimme ein paar amerikanische Gassenhauer in seinem Negerdialekt sang.
Der eine Polizeilieutenant wünschte mir gern den Genuß eines Negertanzes zu machen, aber die Damen schienen sich zu geniren; es wollte keine den Anfang machen, bis er sich eine aus dem Schwarm herausfing und ihr ein Stück Papiergeld vorhielt, das sie haben sollte, wenn sie eine Jig tanzte. Sie schien allerdings, trotz dem Geld, keine besondere Lust dazu zu haben, sah aber auch, daß sie nicht wieder fortkonnte, denn er hielt sie fest, und griff deßhalb nach dem Gelde. Es war eine kleine dicke, wie es schien, unbehülfliche Gestalt, warf aber jetzt die Füße nach dem Takt der von dem alten Neger gespielten Musik mit außerordentlicher Geschicklichkeit um sich, daß sie mit Hacken und Zehen selbst die Zweiunddreißigstel zu den Achtelnoten schlug. Wie wir aber nun glaubten, daß sie jetzt selber warm in dem Tanz geworden wäre, machte sie plötzlich einen Seitensprung und tauchte mitten zwischen die laut auflachende Zuschauermasse unter, aus der sie natürlich nicht wieder herausgefischt werden konnte.
Das genügte übrigens auch vollständig für eine Probe, und wir schritten über die Straße nach einem anderen Gebäude hinüber, dem die Polizisten nicht recht zu trauen schienen. Dort fanden wir in einem Raum, den ein einzelner Mann fast beanspruchen würde, wenn er bequem leben sollte, eine ganze Kolonie von Familien, und zwar zwei Negerfamilien und – eine deutsche in Schmutz und Unrath dabei, den es nicht möglich wäre zu beschreiben. Ich konnte mir auch nicht helfen und frug den Deutschen, wie er nur im Stande sei, es in einer solchen Pesthöhle mit den Seinen auszuhalten, aber er zuckte die Achseln und meinte: »es wäre ihm hier in Amerika nicht besonders gut gegangen, und die Neger seien nicht so schlimm, als sie gemacht würden; es ließe sich recht gut mit ihnen leben.«
Der deutsche Polizeilieutenant sagte mir übrigens nachher, daß nicht etwa die Noth deutsche Familien in einen solchen Zufluchtsort dränge, sondern daß sich derartiges Volk wahrscheinlich schon daheim in ähnlicher Umgebung herumgetrieben habe, oder hier durch lüderliches Leben dazu gebracht sei. Uebrigens wären die Fälle gar nicht etwa so selten, und ich könnte verschiedene »deutsche Familien« in »ähnlicher Art« gehaust finden.
Wieder in die Straße hinüberkreuzend, betraten wir ein anderes Schenklokal, in welchem drei Neger Karten mitsammen spielten.
»Wo habt ihr denn den Einsatz?« frug sie der Polizeimann, und sie wußten recht gut, daß sie nicht um Geld spielen durften.
»O, Mister,« sagte der eine Neger grinsend, »wissen wohl, wir sind viel zu arm, als daß wir um Geld spielen könnten – spielen nur darum, wer von uns nächstes Jahr Präsident wird.«
Der Polizeilieutenant lachte und ging der Hinterthür zu.
»For Gods sake Massa!« sagte der eine Neger aufspringend, und mit ziemlich lauter Stimme: »Nehmen Sie sich in Acht, ist ein großes Loch im Hof.«