»Nein, Du wärst alt genug, um selber zu wissen, was Du zu thun hast, aber – nimm mir's nicht übel, Ernst, – schon diese tolle Liebe, oder vielmehr der Glaube, daß Du sie liebst, denn Du kannst dies nach einem so flüchtigen Begegnen noch gar nicht wissen, spricht für Dein – kindliches Gemüth. In Dir steckt weit mehr Romantik, als Dir gut und zuträglich ist, und ohne daß Du es selber merkst, geht Dir einmal das Herz mit dem Verstand durch und läßt Dich dann in irgend einer unangenehmen Situation rettungslos sitzen. Denk' an mich.«

»Du hättest Schulmeister werden sollen, Frank,« sagte Trautenau lächelnd, »denn Du sprichst wirklich wie ein Buch, und wenn ich Dich nicht so genau kennte, würde ich Dich jetzt für einen furchtbaren Philister halten.«

»Ich gestehe Dir zu, daß ich jetzt vernünftiger spreche, als ich gewöhnlich denke,« erwiderte Frank – »ich setze mich auch selbst in Erstaunen, aber sei überzeugt, daß es mir nicht an praktischem Sinn fehlt, und nur die Sorge, Dich in eine peinliche – und doppelt peinliche, weil selbstverschuldete Lage gebracht zu sehen, läßt mich so zu Dir reden. Malst Du das junge bildhübsche Mädchen, in das Du bis über die Ohren verliebt zu sein selbst eingestehst, so läuft die Sache auch nicht so glatt ab, und ich fürchte, Du – ruinirst Dir ein groß Stück Leinwand um gar Nichts.«

»Ich kann nicht mehr ablehnen, was ich einmal angenommen habe.«

»Bah, wenn Du ernstlich wolltest, wäre Nichts leichter als das. – Ich will Dir einen Vorschlag machen: Wir wollen tauschen – ich habe das lebensgroße Bild des Grafen Stirnheld zu malen bekommen, und zwar nur durch Protection, denn meinen bescheidenen Verdiensten kann ich das kaum zumessen. Uebernimm Du die Arbeit. Was wir für beide Bilder bekommen legen wir dann zusammen und theilen.«

»Du bist ein Thor – durch das Bild des Grafen erhältst Du, wenn es Dir gelingt, Zutritt in alle aristokratischen Cirkel der Stadt.«

»Ich möchte Dich aus Joulard's Haus entfernt halten.«

»Ich danke Dir, Frank,« rief Trautenau, indem er ihm die Hand reichte und die seine herzlich schüttelte – »ich wußte vorher, daß Du es wirklich gut mit mir meinst, und Du hast mir dadurch einen neuen Beweis Deiner Liebe und Treue gegeben, aber – es bleibt dabei. Ich male Clemence und werde Dir zeigen, daß ich kein kindischer Thor mehr bin, der irgend einen unüberlegten Streich ausführt, ohne die Folgen zu bedenken. Liebt Clemence wirklich den Major, gut, so habe ich kein Recht, zwischen ein paar Seelen zu treten, die sich einander angehören wollen.«

»Und wie willst Du erfahren, ob sie ihn oder ob sie ihn nicht liebt, wenn sie Dir täglich ein oder zwei Stunden, und dann doch auch jedenfalls in Gesellschaft irgend einer Begleiterin sitzt?«

»Das überlaß mir,« meinte Ernst, »die Liebe sieht scharf und einen Plan habe ich mir überhaupt nicht entworfen, kann es auch gar nicht. Der Augenblick muß das bestimmen, aber ich verspreche Dir, mein kaltes Blut zu wahren – mehr kann ich nicht thun.«