Clemence lächelte verstohlen vor sich hin, drückte aber auch zu gleicher Zeit auf die auf ihrem Schreibtisch stehende Klingel, und bedeutete dann gleich den eintretenden Bedienten, die gewünschte Aenderung vorzunehmen.
Es war das rasch gemacht; Ernst half selber dabei, der Staffelei die richtige Stellung zu geben und zugleich einen passenden Platz für Clemence zu haben, wo das Licht voll auf sie fiel und ihre schlanke Gestalt gut beleuchtet wurde.
Jetzt erst bekam er Zeit, das junge Mädchen aufmerksam zu betrachten, und ach wie schön war sie – wie himmlisch schön. Die dunklen, vollen castanienbraunen Locken stachen wunderbar gegen den weißen Nacken ab, auf dem sie ruhten und diese Augen mit den Wimpern, – diese Lippen, die Zähne, wie Perlen an einander gereiht. So voll und aufmerksam, und sich selbst dabei vergessend, ruhte, ja haftete sein Blick an der verführerischen Gestalt, daß Clemence endlich erröthete und lächelnd sagte:
»Wie wünschen Sie, daß ich mich stellen soll?«
»Wie Sie wollen,« rief Trautenau begeistert; »es giebt immer ein prachtvolles Bild, aber – es wird matt gegen das Original werden, fürchte ich –«
»Mein Vater wünscht ein ähnliches Bild,« sagte Clemence, und ihre, noch eben lächelnden Züge nahmen einen weit strengeren Ausdruck an. »Sie werden also mit Ihren Farben wohl vollständig ausreichen. Dürfte ich Sie bitten, meine Stellung zu bestimmen.«
»Ich würde Sie ersuchen, sich diese selber zu wählen,« erwiderte der Maler, der die Zurechtweisung recht gut fühlte und leicht erröthete – »so natürlich und ungezwungen wie möglich, wenn ich bitten darf. Vielleicht dürfen wir zu der Stellung eine jener Vasen benutzen, und den großen Trumeau als Hintergrund.«
»Nein, das ist zu gesucht,« meinte Clemence »und macht Ihnen außerdem doppelte Arbeit – die Vase, ja. – Ich werde ein kleines Blumenbouquet in die Hand nehmen, bitte Sie aber, die Blumen nicht auszuführen, da ich Alpenblumen – Edelweiß, Alpenrosen und Genziane – dazu benutzen möchte.«
Trautenau fühlte, wie ihm das Herz lauter schlug. – Also auch sie erinnerte sich noch jener schönen Berge und schien sogar die Erinnerung daran zu lieben – hatte sie ihn aber ganz vergessen? Aber um ihr jene Scene in's Gedächtniß zurückzurufen, bedurfte er einer ruhigeren Zeit, als den Beginn der Sitzung – die mußte er abwarten.
Die Stellung der Dame nahm jetzt auch in der That seine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch, und wie ein electrischer Strom lief es durch seinen ganzen Körper, als er leise und ehrfurchtsvoll selbst ihren Arm berührte, um denselben etwas zu heben.