»Mademoiselle,« rief Clemence, als diese Vorbereitungen beendet waren, »bitte klingeln Sie einmal – ich lasse meinen Vater ersuchen, einen Augenblick herüber zu kommen, um zu sehen, ob ihm meine Stellung gefällt.«
Der Befehl wurde rasch ausgeführt. – Also eine Mademoiselle war die Dame mit dem dicken Hals – Wirthschafterin jedenfalls, oder gar eine Art von Duenna – und abschreckend genug sah sie für den letzteren Beruf aus.
Es dauerte übrigens nicht lange, so betrat Herr Joulard das Zimmer. Trautenau hatte ihn noch nie gesehen und er machte allerdings bei seinem ersten Erscheinen keinen besonders günstigen Eindruck. Es war eine kleine etwas schwammige Gestalt, dieser Millionair, mit halb zugekniffenen Augen und ziemlich rastlosem und unstätem Blick. Er hatte eine Glatze, aber eine hohe Stirn, die beiden Hände dabei in den Hosentaschen und dabei die Angewohnheit, sich mit dem Kinn in die schwarze Halsbinde hineinzuarbeiten. Uebrigens ging er einfach gekleidet und nur eine dicke schwere Goldkette hing ihm, als einziger Schmuck, über die braunseidene Weste.
Er trat in das Zimmer, ohne aber die Hände aus den Taschen zu ziehen und den jungen Maler auch kaum mehr als durch ein leichtes Kopfnicken grüßend, und in der Mitte des Boudoirs stehen bleibend, betrachtete er sich die Gestalt des jungen Mädchens ein paar Augenblicke wohlgefällig.
»Sehr schön mein Herz,« sagte er endlich – »sehr schön – allerliebst, wird sich recht gut machen. – Aber weshalb hast Du Dein Diadem nicht aufgesetzt? Das fehlt noch –«
»Ich möchte nicht mit dem Diadem gemalt werden, Papa,« sagte Clemence – »es sieht zu anspruchsvoll aus.«
»Zu anspruchsvoll! Unsinn,« rief lachend der alte Herr, »was Du für Ideen hast – Joulard's einziges Kind zu anspruchsvoll!«
»Es paßt mir auch nicht zu meiner Kleidung; ich werde ein Bouquet von Alpenblumen in die Hand nehmen.«
»Zur Erinnerung an das ewige Bergsteigen und die erbärmlichen Wirthshäuser,« meinte Herr Joulard – »Dein chinesischer Fächer würde sich viel besser machen.«
»Bitte laß mich das selber arrangiren,« entgegnete Clemence ziemlich bestimmt, »ich hatte Dich nur rufen lassen, um mir zu sagen, ob Dir meine Stellung so gefällt.«