»Nichts daran auszusetzen,« wiederholte der Vater, schon gewohnt, daß seine Tochter ihren eigenen Willen hatte – »wird sich ganz gut machen. Und weiß der Herr schon die Größe des Bildes?«
»Nein.«
»Gut; führe ihn nachher durch den Salon, daß er sich dort selber das Maaß nach dem Bild Deiner seligen Mutter nimmt. Es soll genau so groß werden.« Und sich dann abwendend, als ob gar keine weiteren Personen im Zimmer wären, verschwand er wieder durch die Thür.
Ernst ging jetzt rasch daran, die Skizze zu entwerfen, und die Dame in dem schwarzseidenen Kleid hatte es sich indessen in einem breiten Lehnstuhl, den sie aber so rückte, daß sie die Staffelei im Auge behielt, bequem gemacht. Sie war augenscheinlich nur dazu da, um der jungen Dame als Ehrenwache zu dienen.
Er arbeitete außerordentlich rasch; die gegebene Stunde war ihm aber doch nur zu bald entflogen und mit dem Glockenschlag Eins winkte ihm Clemence freundlich mit der Hand und sagte:
»Meine Zeit ist für heute um – ich hoffe, Sie morgen pünktlich wieder hier zu sehen, und jetzt bitte ich Sie nur noch, mir durch den Saal zu folgen, damit Sie den Rahmen zu Ihrer Leinwand bestellen können.«
Sie wartete auch gar keine Antwort ab, sondern schritt ihm voran durch das nächste Gemach hindurch in den eigentlichen Salon, in welchem Trautenau wieder alle erdenkliche Pracht verschwendet sah. Es fand sich aber hier der nämliche Uebelstand, wie in dem Boudoir.
Der Raum war mit kostbaren Verzierungen überfüllt und genug davon aufeinander gehäuft, um zwei solche Säle fürstlich auszustatten. Man sah bei jedem Schritt, daß man sich nicht in der Wohnung eines wirklich vornehmen Mannes, sondern in dem Hause eines Parvenus befand, der diese Räume nicht deshalb so reich ausgestattet hatte, um sich selber wohl und behaglich darin zu fühlen, sondern nur um damit zu prunken und seinen Reichthum zu zeigen.
Das Maaß von dem sehr großen Bilde, für welches Herr Joulard schon vorher eine Treppenleiter hatte herbeischaffen lassen, war bald genommen. Clemence wartete das aber nicht ab. Sich mit einer leichten Verbeugung verabschiedend, schritt sie in ihr eigenes Zimmer zurück und überließ es ihrer Begleiterin, dem fremden Künstler so lange Gesellschaft zu leisten, bis er fertig sein würde und ihm dann den Ausgang zu zeigen.