»Aber Sie haben sich doch ein Bischen vor den steilen Wegen gefürchtet?«

»Wohl nicht mehr als jeder andere Bewohner des flachen Landes,« entgegnete Clemence ruhig.

»Auch nicht an der einen steilen Graslanne?« fuhr Trautenau, ohne die Augen von seinem Bild zu nehmen, still vor sich hinlächelnd, fort.

»An der Graslanne? – was wissen Sie davon?« rief Clemence, ihn verwundert ansehend.

»Und kennen Sie mich nicht mehr?«

»Ich? – Sie? – und doch,« setzte sie plötzlich tief erröthend hinzu, »es – es wäre wirklich möglich – Waren Sie jener junge Fremde?«

»Ich war wirklich jener Glückliche, der Ihnen damals den kleinen, leider nur zu unbedeutenden Dienst leisten durfte.«

»Damals habe ich mich allerdings recht ungeschickt benommen, und Sie werden oft über mich gelacht haben,« flüsterte Clemence, während sie wirklich blutroth wurde. »Es war zu thöricht, aber ich weiß nicht, ich wurde auf einmal schwindelig und hielt den Abhang auch für viel steiler, als er sich später zeigte.«

»Jene Lannen sind gar nicht so leicht zu begehen,« bemerkte Trautenau entschuldigend, »besonders nicht für Damen, die bei ihren langen Kleidern nicht genau sehen können, wohin sie den Fuß setzen und außerdem viel zu leichtes und glattes Schuhzeug tragen. – Ich hoffte damals Sie später in den Bergen wieder zu treffen, aber Sie waren so rasch und plötzlich verschwunden, daß ich selbst auf der breiten Heerstraße Ihre Spur verlor.«

»Ja – mein Vater eilte etwas, um nach Hause zurückzukehren,« erwiederte das junge Mädchen, während ihr Blick die Züge des Malers streifte, als ob sie den Sinn der eben gesprochenen Worte daraus lesen wolle.