»Er hat mich auch schon besucht,« erwiderte der Maler lächelnd, »aber seien Sie versichert, gnädige Frau, der wirkliche Teufel ist nicht so schlimm, wie er gewöhnlich geschildert wird, und schon der Umstand, daß er sich nur das schlechteste Gesindel auf der Welt aussucht, um es für sich zu holen, zeugt von seiner Bescheidenheit.«
Herr Joulard und der Major lachten laut auf; die alte würdige Dame aber, die wahrscheinlich keinen Sonntag die Kirche versäumte und jedenfalls eine heilsame und pflichtgetreue Furcht vor dem Teufel hatte, schlug entsetzt die Hände zusammen und rief:
»Das ist ja eine Gotteslästerung.«
»Doch nicht, wenn er den Teufel lobt,« sagte lachend Herr Joulard, »Excellenz irren sich, und ich bin ganz Herrn Trautenau's Meinung. Wenn der Teufel wirklich so schwarz wäre wie er gemalt wird, würde ihn der liebe Gott gar nicht auf der Erde dulden. Aber meine Damen, wir müssen dem Künstler Platz machen, daß er an seine Staffelei treten kann. Vergessen Sie nur den Chinesen nicht.«
»Und meine Copie,« rief der Major.
»Vielleicht läßt sich Beides vereinigen,« versetzte der Maler in einer tollen Laune, »wollen die Herrschaften einen Augenblick Platz nehmen? Vielleicht kann ich Ihren beiderseitigen Wunsch zugleich erfüllen,« und die Palette aufnehmend, die er indessen in Stand gesetzt hatte, ging er daran, mit keckem Pinsel seine Teufelsfigur aus dem Atelier auf den Ofenschirm zu malen, wohin die Zeichnung, da der Schirm doch im Hintergrund und halb im Schatten stand, also nicht zu sehr hervortrat, vortrefflich paßte.
»Aber um Gottes Willen, Kind,« rief die alte Dame, die Herr Joulard »Excellenz« genannt hatte, wie sie nur merkte, welche Gestalt aus dem Ofenschirm herauswuchs. »Du willst doch nicht neben Deinem eigenen Conterfey den lebendigen Satan abmalen lassen?«
»Das wird, soviel ich bis jetzt sehe,« sagte Clemence, »kein Teufel, sondern ein Faun, wenn auch mit etwas wunderlicher Ausschmückung und – ganz absonderlichen Zügen,« setzte sie langsam und mit einem forschenden Seitenblick auf ihren Bräutigam hinzu, »aber irgend ein phantastisches Bild paßt an einen solchen Platz, und ich sehe nicht die geringste Gefahr für mich darin.«
»Es wird ja aber wahrhaftig der helle Satan mit Hörnern und Schweif,« rief die alte Dame entsetzt, während der Major neben dem jungen, eifrig malenden Künstler stand und einmal über das andere »Bravo, ganz vortrefflich!« rief. Er amüsirte sich ausgezeichnet und schien keine Ahnung zu haben, daß eben dieser belobte Teufel seine eigenen, fast sprechend ähnlichen Züge trug. Sonderbarer Weise fiel es auch, wie man das ja so oft hat, keinem Anderen der Anwesenden augenblicklich auf, denn das Gesicht war doch immer carrikirt. Nur Clemence verglich still, aber desto aufmerksamer das Antlitz des Officiers mit der Carrikatur, und ihr Blick suchte dabei einmal dem des Malers zu begegnen. Trautenau, obgleich er es merkte, wich ihr aber absichtlich aus – er wollte sich nicht vor der Zeit verrathen, und malte so emsig weiter, daß in kaum einer halben Stunde das kleine Bild vollendet war. Als aber von keiner Seite weiter Einspruch gegen das Sacrilegium geschah, wurde es der alten Excellenz zu eng im Raum. Sie mahnte zum Aufbruch und die Uebrigen folgten jetzt ebenfalls, um dem Maler den Platz zu überlassen, denn dieser hatte Clemence gebeten, ihm heute noch höchstens eine viertel Stunde zu sitzen, damit er den Kopf bis auf die letzten Kleinigkeiten vollende. Das Uebrige konnte er dann mit leichter Mühe im eigenen Hause fertig machen.
Mademoiselle hatte wieder ihren gewöhnlichen Platz im Lehnstuhl eingenommen – da sagte Clemence plötzlich: