»Ja, Clemence,« flüsterte Trautenau, der vor innerer Bewegung kaum die Worte über die Lippen brachte. – »Glauben Sie mir nur, daß mich allein die Sorge – die – Theilnahme für Sie bewegt, Ihnen das zu sagen. Uebereilen Sie den Schritt nicht, den Sie im Begriff sind zu thun, denn eine lebenslange Reue könnte ihn bestrafen. Sie sollen mir nicht glauben – kein Wort von dem, was ich Ihnen sage, ohne vorher Alles genau geprüft zu haben; aber prüfen Sie es wenigstens. Das Urtheil der Stadt über Ihren künftigen Gatten ist ein schweres, und Ihr Vater wenigstens muß wissen, was man ihm zur Last legt. Die Enttäuschung später wäre nachher zu furchtbar.«

»Haben Sie geendet?« fragte das junge Mädchen kalt.

Trautenau schwieg und sah sie erstaunt an.

»Dann ersuche ich Sie,« fuhr Clemence fort, »sich in Zukunft mit Anklagen, die meinen Bräutigam betreffen, an diesen selber zu wenden. Ich und mein Vater wissen, was in der Stadt aus Bosheit und besonders aus Neid gegen den Herrn böswillig geklatscht und verbreitet wird. Ich will annehmen,« setzte sie freundlicher hinzu, als sie die heftige Bewegung bemerkte, mit welcher der Maler emporfahren wollte, »daß Ihnen solche Gehässigkeiten fremd sind. Sie meinen es wahrscheinlich ehrlich und ich danke Ihnen dafür. Damit muß aber auch die Sache und zwar für immer, abgemacht sein. Ich selber wünsche wenigstens nicht weiter damit behelligt zu werden und nun bitte, beenden Sie Ihre Arbeit, denn meine Zeit ist beschränkt.«

»Wie Sie befehlen,« erwiederte Trautenau kalt, denn er fühlte diese Zurückweisung doppelt scharf. – »Vielleicht wünschen Sie nun auch, daß ich die Aehnlichkeit in dem Bilde des Ofenschirmes ändern soll.«

Clemence zögerte einen Augenblick mit der Antwort: endlich flog ein leichtes, fast neckisches Lächeln über ihre Züge.

»Nein,« sagte sie – »lassen Sie es so. Haben Sie dies nämliche Bild an Ihre Wand gemalt?«

»Ja, mein gnädiges Fräulein.«

Clemence erwiederte Nichts weiter; sie nahm ihre frühere Stellung wieder ein und in demselben Augenblick öffnete sich auch die Thür, in welcher Mademoiselle mit den Worten erschien, daß sie den ganzen Bücherschrank von oben bis unten durchgesucht habe, ohne das bezeichnete Buch darin zu finden.

»Ich danke Ihnen, vielleicht hat es mein Vater herausgenommen. Ich brauche es auch nicht mehr – wir sind gleich zu Ende,« sagte Clemence in einem gleichgültigen Ton.