»Und wo hält er sich jetzt auf?«

»Kein Mensch weiß es. Ein Bekannter von mir wollte ihn neulich in Paris gesehen haben, schien seiner Sache aber doch nicht ganz gewiß. Unmöglich wär's freilich nicht, denn wenn er auch nicht in Deutschland mehr verfolgt wird, dürfte er es doch nicht wagen, sich in anständiger Gesellschaft blicken zu lassen, und ein solcher Zustand würde ihm bald unerträglich werden.«

»Und Clemence ist bei ihm?«

»Wenigstens mit ihm von hier fortgegangen.«

»Armes, unglückliches Geschöpf – wie furchtbar elend muß sie sich jetzt fühlen.«

Frank schwieg und sah still vor sich nieder. Es schien fast, als ob er noch etwas sagen wollte; Trautenau aber war zu sehr mit seinen eigenen schmerzlichen Gedanken beschäftigt, um es zu bemerken. Manche Gerüchte über Clemence hatten nämlich ebenfalls die Stadt durchlaufen, aber was konnte es nützen, dem Freund durch Wiederholung derselben wehe zu thun. Bewiesen war doch keins von allen worden, und ob Clemence nun Mitschuldige oder rein von jedem Fehl sei, was kümmerte das den Stadtklatsch, der überall seine Opfer suchte und dabei wahrlich nicht wählerisch in seinen Mitteln war.

»Und weißt Du nicht, was aus ihrem Bild geworden ist?« fragte der Andere nach einer längeren Pause. – »Sind denn auch selbst die Familienbilder unter den Hammer des Actionators gekommen?«

»Alles,« lautete Frank's Antwort, »Dein Bild soll übrigens ziemlich hoch von einem Engländer erstanden sein, der sich, Gott weiß, aus welchem Grunde, dafür interessirte. Ich glaube, der Ofenschirm hat ihm in die Augen gestochen. Das war doch eine verwünschte Idee von Dir, Ernst, den Bräutigam als Carricatur neben die Braut zu stellen, und ich begreife nur nicht, daß Clemence selber blind gegen die wirklich frappante Aehnlichkeit blieb.«

»Sie hat sie damals entdeckt.«

»Was? und den Schirm nicht übermalen lassen?«