»Hier meine Hand darauf und mein Wort.«
»Gott sei Dank,« rief Frank, »denn ich fürchtete schon, daß die Nachricht ihres Unglücks jene alte hoffnungslose Liebe wieder anfachen könne.«
»Wenn ich sie verlassen und im Elend wüßte – ja – nicht an der Seite eines Gatten.«
»Dann will ich Dir etwas sagen, Ernst,« rief Frank lebendig. »Ich habe gerade verschiedene Arbeiten beendet – bin überhaupt das letzte Jahr merkwürdig fleißig gewesen, und hatte mir schon fest vorgenommen, diesen Sommer eine kleine Erholungsreise zu machen. Wenn Du jetzt noch zwei oder höchstens drei Tage auf mich warten kannst, begleite ich Dich, was meinst Du dazu, und wir kreuzen dann eine Weile am Rhein umher.«
»Der glücklichste Gedanke, den Du fassen konntest!« rief Ernst erfreut aus – »ich warte auf Dich und wenn Du eine volle Woche brauchst, um fertig zu werden. Oder kann ich Dir vielleicht helfen? Mir geschieht ein Gefallen damit, denn selbstständig kann ich doch noch Nichts arbeiten und möchte nicht die Zeit über ganz müssig liegen.«
»Desto rascher werden wir fertig,« entgegnete Frank lachend, »also dankbar angenommen, und hier in Deinem alten Atelier wird es Dir doppelt heimisch sein.«
Sechstes Kapitel.
In Wiesbaden.
Die beiden jungen Leute gingen jetzt, dabei mit einander plaudernd und erzählend, frisch an die Arbeit, um einige Kleinigkeiten, die Frank noch versprochen hatte abzuliefern, in den nächsten Tagen zu beenden. Das wurde auch rascher erledigt, als sie selber geglaubt, denn in der gemeinschaftlichen Thätigkeit flogen ihnen die Stunden nur so dahin. Am dritten Abend waren sie auch schon zur Abreise fertig gerüstet, und um auch keinen Moment mehr zu versäumen, benutzten sie selbst den Nachtzug, daß der sie dem flachen Lande entführe, und nur erst einmal hinein in die Berge bringe.
Am anderen Abend schon wanderten sie Arm in Arm den wunderbar schönen Rhein entlang, und das Herz floß ihnen in lautem Jubel und fröhlichem Gesang über. Giebt es ja doch nur einen einzigen solchen Strom in der ganzen weiten Welt, und wem das Herz an diesen Ufern nicht aufgeht und wärmer, freudiger schlägt bei den Wundern, die sich dort seinem Blick öffnen – ei, der mag ruhig fortgehen und sich in der lüneburger Haide oder im berliner Sande begraben lassen – auf Erden ist er doch zu Nichts mehr nütze.
Das war eine frohe, glückliche Zeit, die sie dort verlebten, und selbst Ernst, der sonst mehr zur Schwermuth neigte und sich nie wohler fühlte, als wenn er allein und einsam seine Bahn wandelte, lebte neu auf in der wunderbar schönen Natur und der Gesellschaft des stets fröhlichen und heiteren Frank.