Die beiden jungen Freunde zogen sich ebenfalls und unwillkürlich jener Stelle zu, wo wieder einmal dieser »Fluch des Rheins«, das höllische Spiel, ein Opfer gefordert hatte. Aber es war nicht möglich rasch dahin zu gelangen, denn durch die von den Tischen plötzlich zurückpressenden Leute wurde der Raum für kurze Zeit vollkommen angefüllt. Langsam rückten sie aber trotzdem am Tische hin und wollten eben links abbiegen um eine freiere Stelle zu gewinnen, als Frank plötzlich seinen Arm fast krampfhaft festgehalten fühlte, und als er sich erstaunt nach der Seite umdrehte, sah er des Freundes Augen, dessen Antlitz aschenbleich geworden war, an einem Punkt des noch immer besetzten Tisches haften.

Da er gar nicht wußte, was er aus dem Benehmen Trautenau's machen sollte, folgte er seinem Blick, konnte aber nicht das geringste Auffällige entdecken. An dem Tische saßen die gewöhnlichen Gestalten, Herren und »Damen« – wenigstens elegant angezogene Frauenzimmer, sehr decolletirt und in oft höchst unnöthigem Putz für diese Gesellschaft, dabei meist ältliche Herren mit verlebten, aber leidenschaftlich erregten Gesichtern, mit aufgestellten Rollen von Gold und Silber vor sich, von denen sie dann und wann kleine Haufen, ohne sie zu zählen und nur nach dem Gefühl herunternahmen und auf irgend einen Punkt setzten, oder auch gewonnene Summen wieder sorgfältig neben die anderen häuften. Diese Leute hatte der Schuß im anderen Zimmer auch nicht gestört; was kümmerte sie irgend ein fremder, alberner Mensch, der nicht einmal Tact genug besaß, sein unbedeutendes Leben außerhalb der Spielsäle abzuschütteln. Es wäre nicht der Mühe werth gewesen, auch nur den Kopf nach ihm umzudrehen, viel weniger das »jeu« seinethalben zu vernachlässigen.

»Aber was hast Du nur?« flüsterte Frank jetzt dem Freund zu, »Du drückst mir ja blaue Flecke in den Arm.«

»Kennst Du den Herrn, der dort unten an dem Tisch sitzt, gleich hinter jener Dame, die den Kopf von uns abdreht?«

»Hinter jener Dame im weißen Kleid?«

»Ja.«

»Nein, den kenne ich nicht – kann mich wenigstens nicht auf das Gesicht besinnen.«

»Und hast es in Deinem eigenen Arbeitszimmer an der Wand?«

»Der Major? Unsinn – Du träumst.«

»Lehre mich das Gesicht kennen, das ich unzählige Male gezeichnet habe – jeder Zug desselben steht mir so fest im Gedächtniß, daß ich es mit geschlossenen Augen mit Kohle an die Wand malen könnte. Er ist es, beim ewigen Gott.«