»Und jene Dame?«
»Das kann nicht Clemence sein, es ist nicht möglich. Sie würde sich doch nicht zwischen diese Gesellschaft an den grünen Tisch setzen. Nein, sie scheint zu dem jungen Herrn zu gehören, der hinter ihrem Stuhl steht und fortwährend mit ihr flüstert. Beide pointiren wahrscheinlich zusammen.«
»Glaube mir, eine Täuschung ist dieser Gestalt gegenüber nicht möglich. Ich habe mir nicht den Teufel an die Wand gemalt, daß ich ihn nicht wiedererkennen sollte, wo auch immer. Findest Du ihn denn noch nicht in den Zügen?«
»Er hat allerdings Aehnlichkeit mit dem Major,« sagte Frank, der ihn indessen aufmerksamer betrachtet hatte. »Er trägt nur den Bart ganz anders als früher und mehr in französischer Art; ich habe ihn auch anfangs für einen Franzosen gehalten. Du könntest wirklich Recht haben – doch was liegt daran. Er ist wahrscheinlich mit anderem Gesindel von Frankreich herüber gekommen und treibt sich hier eine Zeitlang in den Bädern herum. Laß ihn und komm – was interessirt uns der Mensch.«
»Wenn ich nur wenigstens einmal das Profil der Dame, die neben ihm sitzt, sehen könnte,« entgegnete Ernst, der noch immer zögerte, dem Freund zu folgen.
»So laß uns an die andere Seite hinüber gehen.«
»Ich möchte nicht von ihnen gesehen werden – wenigstens jetzt noch nicht – nicht bis ich mich näher überzeugt habe.«
Das Publikum fing schon wieder an zu dem Tisch zurückzukehren, so rasch hatte man da drüben, in dem anderen Zimmer, den Leichnam wie die letzten Spuren der fatalen Angelegenheit beseitigt. Das Spiel durfte unter keiner Bedingung gestört werden. Kein Mensch sprach mehr über den Selbstmord des Unglücklichen, wie denn überhaupt eine laute Unterhaltung im Heiligthum der grünen Tische gar nicht mehr geduldet wurde. Alles verkehrte in Flüstern mit einander.
Dadurch gruppirten sich die Zuschauer wieder fester um die eigentlichen Spieler, und Trautenau wie Frank konnten auch, unter deren Schutz, etwas näher an den entdeckten Major hinanrücken. Uebrigens war kaum Gefahr da, daß er sie bemerken würde, denn seine Augen wanderten für keinen Moment von dem Tisch selbst und dem darauf stehenden Golde ab. Was kümmert sich der Spieler um die Zuschauer.