»Aber, was läßt sich, was kann ich thun, um es zu verhindern? Ach, Alles Dir zu Liebe, Armand, sag' mir nur wie?«
»Du kannst mir schreiben wohin Ihr Euch gewandt, und ich folge Dir dann in wenigen Tagen nach.«
»Ich fürchte, ich fürchte,« stöhnte die arme Frau, »daß er beabsichtigt, mich weit hinweg zu führen. Irgend ein Vergehen muß ihn drücken – irgend etwas muß in der letzten Zeit geschehen sein, wovon ich keine Ahnung habe, denn verschiedene Anzeigen sprechen dafür. Nicht umsonst trägt er seinen Bart jetzt so, daß er ein ganz anderes Aussehen gewonnen hat. Dann fährt er oft, mitten in der Nacht, von schweren Träumen geschreckt, empor. Auch ein Revolver liegt fortwährend über seinem Kopfkissen, geladen im Bett, als ob er fürchte überfallen zu werden. Irgend etwas ist jedenfalls geschehen und er hat auch seitdem nirgends Ruhe mehr. Kaum sind wir acht Tage in einem Ort, so treibt es ihn wieder hinweg und in der letzten Zeit sprach er sogar manchmal von England und Amerika. Wenn er mich dort hinüber führt, bleibt mir ja Nichts übrig, als meinem elenden Leben in den Wellen ein Ende zu machen.«
»Clemence,« bat sie Armand.
»Wahrlich Armand, ich thäte es,« rief die junge leidenschaftliche Frau – »aber noch ist es nicht nöthig – noch bleibt mir ein Ausweg, wenn ich mich fest auf Dich verlassen kann.«
»Und zweifelst Du daran, Clemence?«
»Nein – dann bestimme mir nur einen Ort, wo ich Dich erwarten kann und ich reise morgen früh allein dahin ab. Ich gehe ja jeden Morgen, wie Kuno glaubt, zum Brunnentrinken. Die Bahn führt mich rasch fort von hier und dann –«
»Aber auf wen anders fiele dann sein Verdacht, als auf mich?« rief Armand, »und er würde mich nicht mehr aus den Augen lassen. Wie kannst Du auch allein reisen – es geht nicht.«
»Glaubst Du, daß ich mich fürchte?«
»Nein, aber die Spur einer einzelnen Dame, die überall auffällt, ist leicht verfolgt und wie gesagt, er hat hier so viele Späher, daß er mich augenblicklich würde beobachten lassen, und folgte ich Dir dann, so wäre unsere Flucht verrathen. Hast Du denn Niemanden hier, den Du genauer kennst – dem Du Dich anvertrauen könntest, um Reuhenfels wenigstens auf eine falsche Spur zu bringen? – Wir müssen sicher gehen oder Alles ist verloren!«