»An der zweiten Urne – oh, wenn der morgende Tag nur erst vorüber wäre,« seufzte sie.
Armand hatte sie an sich gezogen und drückte einen Kuß auf ihre bleiche Wange, aber sie entwand sich ihm rasch und eilte den Pfad entlang, während Armand in die nächsten Büsche glitt, und von dort ab einen andern Weg erreichte, auf dem er allein in die Stadt zurückkehren konnte.
In derselben Zeit, oder etwas später, suchte Trautenau das Hôtel Kompelt auf. Er konnte ja dort eine Tasse Caffee trinken und die Zeitung lesen, dabei gab es dann vielleicht eine Gelegenheit, um mit einem der Kellner ein Gespräch anzuknüpfen. Waren doch die untern Räume des Hôtels um diese Tageszeit fast immer menschenleer.
Der Oberkellner, der am Fenster stand und mit Nichts in Gottes Welt zu thun, hinaus auf die Straße sah, ging auch willig auf eine Unterhaltung mit dem einzelnen Gast ein. Irgend etwas, um die Zeit todt zu schlagen, schien ihm selber erwünscht. Trautenau steuerte indessen nicht direct auf sein Ziel los, sondern erkundigte sich erst nach der Saison im Allgemeinen, frug dann ob das Hôtel voll besetzt wäre, und blätterte in der Kurliste die Namen der dafür verzeichneten Gäste auf.
»Ah, zu Berg,« sagte er plötzlich – »die Familie ist mir bekannt, ich möchte wohl wissen, welcher Zweig derselben es ist. Können Sie mir darüber Auskunft geben, Herr Oberkellner?«
»Ein Herr und eine Dame« sagte dieser, »mit Kammerfrau – einer ganz allerliebsten kleinen Französin – zum Anbeißen sage ich Ihnen.«
»Noch jung?«
»Kaum achtzehn Jahr höchstens.«
»Nein, ich meine das Ehepaar.«
»Ach so, ich dachte, Sie frügen nach der Kammerfrau. Nun der Herr mag etwa in den vierzigern sein. Die Dame – auch eine sehr schöne, vornehm aussehende Frau, kann höchstens zweiundzwanzig sein. – Aber eine unglückliche Ehe.«