Während er sich so in Gedanken um das Wohl der Geliebten absorgte, schritt Clemence zu dem Kurhaus hinüber, aber nicht auf dem direkten Weg, sondern auf einer etwas weiteren Bahn. Sie war, von ihrer Kammerfrau begleitet, in voller Toilette, aber sie schien eilig, denn es dunkelte schon, und sie hatte nicht viel Zeit mehr zu versäumen. Eben schlugen drinnen in der Stadt die Uhren die für das Rendezvous bestimmte Stunde.

Armand war eben so pünktlich gewesen als sie. Um jedoch auf der noch immer sehr belebten Promenade keinen Verdacht zu erregen, grüßte er sehr förmlich und achtungsvoll, und schritt dann, während sich die Kammerfrau tactvoll einige Schritte zurückzog, neben ihr her.

»Glückliche Nachricht,« flüsterte er ihr, wie das unbeachtet geschehen konnte, zu, »eben habe ich einen Brief bekommen, daß übermorgen, vielleicht schon morgen Abend mein Schwager eintrifft, und nun, da die Zwischenzeit so kurz ist, haben wir auch keine Gefahr weiter zu fürchten. Benutze jetzt die erste Gelegenheit, Geliebte, und erwarte mich dann in St. Goarshausen im goldenen Roß. Hinterlaß' für Reuhenfels aber einen Brief, worin Du ihn auf eine falsche Fährte schickst, und überlaß mir das Weitere. Natürlich folgt er Dir augenblicklich, aber er muß durch die Nachforschungen, die er genöthigt ist anzustellen, aufgehalten werden und ich bin dann vielleicht schon den nächsten Tag bei Dir. Nie im Leben wird er auch daran denken, in einem so kleinen abgelegenen Nest nach Dir zu suchen und es bleibt uns dort Zeit und Muße genug, unsere weiteren Pläne zu besprechen.«

»Ich habe einen Begleiter gefunden,« sagte Clemence rasch.

»Wen?« frug der junge Mann erstaunt.

»Einen alten Bekannten aus M–, einen braven jungen Künstler, der früher einmal für mich geschwärmt hat,« fuhr sie lächelnd fort. »Er ist treu und ehrlich und fühlt sich glücklich mir einen Dienst erweisen zu können.«

»Aber es ist jetzt kaum mehr nöthig,« meinte Armand, dem der Gedanke, einen früheren Anbeter mit seiner Geliebten reisen zu lassen, vielleicht nicht so ganz angenehm war.

»Aber auch unmöglich, es jetzt noch zu ändern,« erwiderte sie. »Er erwartet mich morgen früh um sechs Uhr am Bahnhof.«

»So früh willst Du fort?«

»Es ist die höchste Zeit, denn Reuhenfels hat mich heute Nachmittag aufgefordert, meine Koffer zu packen und jeden Augenblick zur Abreise bereit zu sein.«