»Und hast Du schon um sie angehalten?«

»Du kannst Deinen Spott nicht lassen. Ich liebe sie aus voller, reiner Seele, aber – sie ist die Tochter des steinreichen Joulard und meine Liebe deshalb hoffnungslos.«

»Und was hat Dich vermocht, jenen Teufel dort an die Wand zu malen, und in welcher Beziehung steht er mit Deiner ganzen Erzählung, denn etwas Derartiges muß ich doch vermuthen.«

»Die Sache ist sehr einfach,« sagte Ernst ruhig. »Vor drei Tagen war ich zum ersten Male in dem Hause, ich könnte wohl sagen im Palais des Banquiers, denn er bewohnt in der That ein solches. Die Treppen sind mit schweren Teppichen belegt und mit Marmorstatuen verziert; die Vorsäle selbst haben getäfelte Wände und riesige Spiegel. Im Inneren der Räume war ich nicht; aus dem einen Zimmer trat der Major von Reuhenfels heraus, sein widerliches Gesicht strahlte in Seligkeit. Als ich einen der Diener frug, wer der Herr wäre, lautete die Antwort: »Der Verlobte des gnädigen Fräuleins Clemence.«

»Aha – deshalb!« meinte Frank still vor sich hinlächelnd. »Nun und weiter? Du wolltest meinen Rath.«

»Ja, ich weiß es,« sagte Ernst seufzend, »aber – er wird kaum mehr nöthig sein, denn ich sehe nicht ein, wie mir noch ein Mensch helfen oder rathen kann. Es bleibt mir ja doch Nichts weiter übrig, als eben einfach zu entsagen und jede Hoffnung auf ein dereinstiges Glück fallen zu lassen. – Sie sind verlobt.«

»Nun,« meinte Frank, »was das beträfe, so ist verlobt noch nicht immer verheirathet, und ich könnte Dir verschiedene Beispiele nennen, wo solche Verlobungen wieder rückgängig wurden, wenn Dir dadurch die geringste Aussicht auf einen Erfolg Deiner Werbung bliebe – aber Du bist doch wohl nicht wahnsinnig genug zu glauben, daß Dir der reiche Joulard seine einzige Tochter geben wird? Ich begreife sogar nicht, daß er dem einfach adligen Major eine solche Gnade zu Theil werden läßt; denn bis jetzt hieß es in der Stadt, daß er sich einen Herzog oder Prinz für sie ausgesucht.«

»Und weißt Du, was dieser Major für ein Charakter ist?«

»Ich kenne ihn gar nicht – kaum dem Namen nach und nur von Ansehen.«

»Aber ich habe mich desto sorgfältiger in den letzten Tagen nach ihm erkundigt. Ein berüchtigter Spieler und Roué, der mehr Schulden als Haare auf dem Kopfe hat, und das arme, engelgleiche Wesen elend machen wird.«