»Hat Sie Madame auch um Ihren – Lohn betrogen?«
»Nein das nicht – Monsieur Armand ist reich; er war generös.«
»Und was verlangen Sie noch von mir?«
»Ist es Sitte in Deutschland, daß man unbeschützte Frauen allein reisen läßt?«
»Mein liebes Fräulein,« antwortete Trautenau, dem diese kaum versteckte Zumuthung doch ein wenig zu stark schien, – »Sie haben der gnädigen Frau getreu geholfen und beigestanden – es war an ihr, Sie dafür zu belohnen. Sie werden von mir hoffentlich nicht verlangen, daß ich mich zum Cavalier ihrer Kammerfrau aufwerfe, da sie selber es vorgezogen, einen anderen Schutz zu suchen. Ich wünsche Ihnen eine angenehme Reise –« und sich abwendend schritt er aus der Thür und hörte nur noch den Ausruf der Empörung Jeannettens: »Oh diese Deutschen – diese Menschen von Holz!« – Aber er war geheilt – vollständig geheilt von seiner tollen Leidenschaft, und als er etwa drei Wochen später nach M– zurückkehrte, konnte er Frank sein Abenteuer – oder vielmehr seine Kette von Abenteuern mit lachendem Munde erzählen.
Drei Monat später druckte ein deutsches Blatt in M– einen Artikel aus einer französischen Zeitung ab – einen Criminalfall, der für M– besonderes Interesse hatte. Es war die Verurtheilung eines Deutschen, eines Herrn von Reuhenfels, der beschuldigt und überführt worden war, seinen Schwiegervater, einen geborenen Franzosen Monsieur Joulard, mit dem er früher Wechselfälschungen und anderen Betrug getrieben, in Paris ermordet, und in einem Keller vergraben zu haben. Er hatte das Verbrechen eingestanden und war, da ein vorbedachter Mord nicht nachgewiesen werden konnte, zu lebenslänglicher Galeerenstrafe verurtheilt worden.
Von Clemence hörten sie Nichts wieder. Möglich, daß sie als Madame Armand irgendwo in Frankreich lebte. Trautenau dachte nicht mehr an sie – er hatte ihr Bild, die Copie, die er damals behalten, gleich nachdem er nach M– zurückkehrte, zerstört, aber mit desto größerer Vorliebe zeichnete und malte er sich in seinem neuen Atelier den Major in der alten Staffage an die Wand, und wo ihm einmal wieder das Herz mit dem Verstand durchgehen wollte, bedurfte es nur eines Blickes auf das Bild, um all die alten, fast begrabenen Erinnerungen wieder wach zu rufen. Damit war denn auch jede Gefahr beseitigt, denn er hatte sich den Teufel als Schutzengel an die Wand gemalt.
Booby-island.
Australische Skizze.
Wenn der Leser die Karte von Australien in die Hand nimmt, so sieht er, daß im Norden dieses Welttheils, zwischen Australien und der großen Insel Neu-Guinea, eine schmale Meerenge hindurchführt, die noch außerdem mit zahlreichen Punkten – nichts als bösartige Klippen – gesprenkelt erscheint. In der That füllen eine Menge von Korallenriffen und Sandinseln diesen schmalen Meeresarm aus, und nur einzelne Passagen mit kaum fünf oder sechs Faden tiefem Fahrwasser ziehen sich hindurch und müssen von den Schiffen sorgfältig eingehalten werden. Da diese aber, wenn sie aus dem Stillen in den Indischen Ocean wollen, durch die Meerenge ein tüchtig Stück Weg abschneiden, so benutzen sie doch häufig den Weg, und bei ruhigem Wetter und einiger Vorsicht ist auch nicht eben viel Gefahr dabei.
Anders stellt sich freilich die Sache, wenn gerade an der Einfahrt, besonders von Osten her, wo die Passage nicht so leicht zu finden ist, stürmisches Wetter einsetzt. Manches arme Schiff ist dann schon an jenen sogenannten barrier-reefs (Riffbarrière) gescheitert, und die Mannschaft hat sich, wenn sie nicht gar an einer zu bösen Stelle strandete, in ihren Booten retten müssen.